Algen im Aquarium bekämpfen (2026)
Algen im Aquarium bekämpfen (2026)
Ratgeber

Algen im Aquarium bekämpfen (2026)

10. Mai 2026 20 Min. Lesezeit Von Dennis Müller

Algen sind nicht dein Problem. Sie sind das Symptom — das, was du siehst, wenn was anderes schiefläuft. Und genau deshalb gewinnst du den Algenkampf nicht mit Chemie. Du gewinnst ihn, indem du verstehst, was wirklich passiert.

Ich hab’ am Anfang dieses Hobbys jedes Algenmittel ausprobiert, das je in einer Flasche verkauft wurde. Eine Woche Ruhe, dann waren sie zurück. Mit Verstärkung. Erst als ich begriffen habe, dass Algen sich von genau den Ressourcen ernähren, die meine Pflanzen ungenutzt liegen ließen — Licht, CO₂, Nährstoffe in Ungleichgewicht — wurde das Problem dauerhaft gelöst.

In diesem Artikel diagnostizieren wir jeden Algentyp und finden die wahre Ursache. Kein “Mehr Algenmittel kaufen”. Kein Symptom-Doktoring. Sondern System-Verständnis.

Wichtige Cluster-Themen für Algenprobleme: Pflanzen düngen — Liebigsches Minimumgesetz · CO2-Anlage richtig einstellen

Warum Algen eigentlich eine gute Nachricht sind

Klingt absurd? Bleib bei mir. Algen sind keine Eindringlinge — sie sind Diagnoseinstrumente. Eine Art kostenloser Wasserchemie-Tester, der dir mit grünem, braunem oder schwarzem Belag genau anzeigt, was in deinem Becken schiefläuft. Ein erfahrener Aquarianer sieht eine bestimmte Algenart und weiß sofort: “Aha, CO₂ zu niedrig” oder “Licht zu intensiv” oder “Nitrat zu hoch”.

Algen sind opportunistische Überlebenskünstler. Sie besetzen jede Nische, die deine Pflanzen ungenutzt lassen — wenig genügsam, anspruchslos, immer da. Algensporen kommen über die Luft, über Pflanzen, über neue Tiere. Du kriegst sie nie ganz weg. Aber du kannst dafür sorgen, dass deine Pflanzen ihnen die Nahrungsgrundlage wegfressen.

Das fundamentale Prinzip dahinter ist das Liebig’sche Minimumgesetz: Wachstum wird durch den knappsten Faktor begrenzt. Wenn deine Pflanzen stagnieren — sagen wir, weil CO₂ fehlt — sitzt das Licht in der Ecke und langweilt sich. Algen nehmen das ungenutzte Licht und feiern. Erst wenn Licht, CO₂ und Nährstoffe synchron sind, fressen deine Pflanzen alles weg, und für Algen bleibt nichts.

Die 7 häufigsten Algentypen — Diagnose und Ursache

Jede Algenart liefert dir eine andere Diagnose über den Zustand deines Aquariums. Wer den Typ der Alge exakt identifiziert, kennt in der Regel auch die direkte Ursache.

Kieselalgen (Braunalgen) — die Einfahrphase-Alge

Kieselalgen, auch Diatomeen genannt, sind ein typisches Phänomen in den ersten Wochen eines neuen Aquariums.

Aussehen: Sie bilden braune, oft leicht schleimige Beläge auf Scheiben, Pflanzenblättern und dem Bodengrund.

Ursache: Kieselalgen nutzen Silikat (SiO₂) aus dem Leitungswasser, um ihre Skelette aufzubauen. Sie treten auf, wenn hohe Silikatwerte auf einen noch nicht voll entwickelten Biofilm (Mikrobiologie) im frischen Becken treffen.

Lösung: Hier ist Geduld gefragt. Sobald die höheren Pflanzen anfangen zu wachsen und sich ein stabiler, gesunder Bakterienfilm gebildet hat, verschwinden Kieselalgen meist von ganz alleine.

Beschleuniger: Algenfresser wie Geweihschnecken (Neritschnecken) und Otocinclus-Welse sind exzellente Helfer, um die Beläge mechanisch zu reduzieren. Auch eine leichte Erhöhung der Beleuchtungsintensität kann helfen, da Kieselalgen eher schattenliebend sind.

Grünalgen (Punktalgen / Grünbelag) — das Zeichen eines gesunden Beckens

Grüne Punktalgen (Green Spot Algae, GSA) gehören zu den Grünalgen und sind phylogenetisch eng mit den Wasserpflanzen verwandt.

Aussehen: Harte, kleine grüne Punkte, die extrem fest an den Aquarienscheiben oder auf den Blättern langsam wachsender Pflanzen (wie Anubias) haften.

Ursache: Ein massiver Mangel an Phosphat (PO₄) ist die Hauptursache. Wenn Pflanzen kein Phosphat mehr finden, stellen sie ihren Stoffwechsel ein, und die Punktalgen übernehmen. Auch ein Überangebot an Licht kann diese Entwicklung beschleunigen.

Lösung: Den Phosphatwert im Aquarium gezielt auf etwa 0,1 bis 0,5 mg/l anheben. Die Scheiben lassen sich am besten mit scharfen Klingenreinigern säubern, da Schwämme hier oft versagen. Eine Anpassung der Beleuchtungsdauer oder die Einführung einer “Beleuchtungspause” (Siesta) kann den Befall ebenfalls reduzieren.

Fadenalgen — der hartnäckige Klassiker

Fadenalgen im Aquarium sind ein klares Zeichen für ein massives Nährstoff-Ungleichgewicht, oft gekoppelt mit zu viel Licht.

Aussehen: Es handelt sich um lange, grüne Fäden, die sich um Pflanzen wickeln und sich relativ leicht mechanisch aufwickeln und entfernen lassen.

Ursache: Die Hauptursache ist ein Mangel an Stickstoff (Nitrat, NO₃), oft in Kombination mit einem Überangebot an Licht und CO₂. Dies passiert häufig in der Einfahrphase, wenn der Nitratkreislauf noch nicht stabil läuft.

Lösung: Eine gezielte Stoßdüngung mit Nitrat, um die Lücke zu schließen, sowie eine temporäre Reduktion der Beleuchtungsdauer.

Biologische Kontrolle: Der Einsatz von Amanogarnelen ist bei Fadenalgen hochgradig effektiv.

Pinselalgen (BBA — Black Beard Algae)

Pinselalgen gehören zu den Rotalgen und sind aufgrund ihrer enormen Haftkraft die “Panzerschiffe” der Aquaristik.

Aussehen: Sie zeigen sich als schwarze, graue oder dunkelgrüne, dichte Büschel, die bevorzugt an Blatträndern, auf Steinen oder auf Wurzeln (Hardscape) wachsen.

Ursache: Ein instabiler oder zu niedriger CO₂-Wert ist der primäre Auslöser. Oft korreliert ein lokaler Befall mit einer zu starken Strömung, welche Nährstoffe im Überfluss direkt an die festsitzende Alge liefert.

Lösung: Die CO₂-Zufuhr muss zwingend optimiert und stabilisiert werden. Die Strömung sollte reduziert oder umgeleitet werden.

Zusatzmaßnahme: Stark befallene Blätter radikal entfernen. Hardscape kann mit der Einnebelmethode behandelt werden.

Blaualgen (Cyanobakterien) — kein Alge, ein Bakterium

Trotz ihres Namens sind Blaualgen biologisch gesehen keine Algen, sondern stark wuchernde Bakterien.

Aussehen: Sie bilden dichte, schleimige, blau-grüne Teppiche über Pflanzen und Bodengrund, die sich leicht absaugen lassen, aber extrem schnell nachwachsen. Ein typisches Merkmal ist ihr starker, modriger bis erdiger Geruch.

Ursache: Ein gestörtes Verhältnis von Nitrat zu Phosphat (die sogenannte Redfield-Ratio) oder ein plötzlicher, massiver Zusammenbruch der nützlichen Mikrobiologie im Filter oder Bodengrund.

Lösung: Die effektivste Maßnahme ist eine konsequente Dunkelkur, bei der das Aquarium für 6 bis 7 Tage komplett verdunkelt wird. Dies verschiebt das bakterielle Gleichgewicht wieder zugunsten der nützlichen Bakterien. Parallel sollte die Wasserzirkulation verbessert und das Nitrat-Level geprüft werden.

Hinweis: Chemische Eingriffe wie Antibiotika sollten absolut vermieden werden, da sie die restliche Filterbiologie komplett zerstören.

Schmieralgen / Grüne Wassertrübung (Schwebealgen)

Eine plötzliche Grünfärbung des Wassers, bei der man oft nicht einmal mehr die Rückwand sieht, wird durch mikroskopisch kleine Schwebealgen verursacht.

Aussehen: Das Wasser wird undurchsichtig grün, ähnlich wie eine dichte Erbsensuppe.

Ursache: Oft resultiert dies aus einer plötzlichen Ammoniak-Spitze (z.B. durch unbemerkte tote Fische, massive Filterreinigung oder Überfütterung), kombiniert mit starker Beleuchtung oder direkter Sonneneinstrahlung.

Lösung: Der schnellste und effektivste Weg ist der temporäre Einsatz eines UV-C-Klärers, der die Algenzellen im vorbeifließenden Wasser abtötet. Begleitend helfen große Wasserwechsel, eine Dunkelkur und das Finden der ursprünglichen Ammoniakquelle.

Staghorn-Algen (Bartalgen)

Staghorn-Algen, oder Bartalgen, gehören ebenfalls zur Familie der Rotalgen und treten oft gemeinsam mit Pinselalgen auf.

Aussehen: Es sind lange, verzweigte, oft gräuliche Fäden, deren Struktur an feine Barthaare oder kleine Hirschgeweihe erinnert.

Ursache: Ein Überangebot an Ammonium (NH₄), welches häufig nach zu gründlichen Filterreinigungen oder bei starkem Überbesatz auftritt, kombiniert mit einem gleichzeitigen CO₂-Mangel.

Lösung: Die Wasserhygiene muss durch Wasserwechsel verbessert und Ammoniumquellen müssen minimiert werden. Parallel dazu muss die CO₂-Sättigung auf einen stabilen Wert von 20-30 mg/l eingestellt werden.

Das Liebig’sche Minimumgesetz — warum einfaches “Algenmittel kaufen” nicht funktioniert

Wer Algen im Aquarium bekämpfen möchte, stößt unweigerlich auf das Prinzip des Liebig’schen Minimumgesetzes. Man kann sich das Wachstum von Wasserpflanzen wie ein altes Holzfass vorstellen, das aus verschieden langen Dauben besteht. Jede Daube steht für einen bestimmten Wachstumsfaktor (Licht, CO₂, Nitrat, Phosphat, Eisen). Das Wasser im Fass – also dein Pflanzenwachstum – kann immer nur exakt so hoch steigen wie die kürzeste Daube es zulässt.

Wenn du beispielsweise eine stärkere LED-Beleuchtung (Licht-Daube) installierst, ohne gleichzeitig die CO₂-Zufuhr anzupassen, bleibt das Wachstum deiner Pflanzen gnadenlos am CO₂-Minimum hängen. Das viele überschüssige Licht kann von den Pflanzen nicht mehr verarbeitet werden und fungiert stattdessen als reiner Katalysator für eine Algenexplosion. Algen können im Gegensatz zu höheren Pflanzen Nährstoffe über ihre gesamte Oberfläche aufnehmen und sind so bei Mangelerscheinungen evolutionär im Vorteil. Das Dreieck aus Licht, CO₂ und Nährstoffen (Makro und Mikro) muss daher stets geschlossen sein.

FaktorZu wenigZu viel
LichtPflanzen wachsen nicht, kümmernAlgen explodieren (wenn CO₂/Nährstoffe fehlen)
CO₂Pflanzen kümmern, Pinselalgen (BBA), StaghornKaum möglich bei Druckgas mit korrekter Nachtabschaltung
Nitrat (NO₃)Pflanzen werden blass/gelb, BlaualgenBegünstigt Fadenalgen und andere Grünalgen
Phosphat (PO₄)Grüne Punktalgen, Pflanzen stoppen WachstumGrünalgen (bei starkem Licht)

Wasserchemie messen — was du wirklich testen musst

Um Algen im Aquarium bekämpfen zu können, musst du die aktuelle Lage kennen. Raten bringt dich hier nicht weiter. Die Überwachung der Wasserparameter ist die einzige Möglichkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. Während schnelle Teststreifen nur für eine ganz grobe Orientierung taugen, sind hochwertige Tröpfchentests der Goldstandard für die präzise Ursachenforschung.

Die wichtigsten Parameter und ihre Zielwerte

Für ein bepflanztes Aquarium, insbesondere solche mit moderater bis starker Beleuchtung, haben sich folgende Zielwerte etabliert, um den Algen den Nährboden zu entziehen:

NO₃ (Nitrat): Hauptstickstoffquelle. Der Zielwert liegt bei etwa 10 mg/l. Ein Mangel führt zu Kümmerwuchs und Fadenalgen.

PO₄ (Phosphat): Wichtig für den Energietransfer der Pflanzen. Der Zielwert liegt bei 0,1 mg/l. Ein Mangel provoziert grüne Punktalgen.

CO₂: Der wichtigste Baustein für das Wachstum. Ein konstanter Wert von 20 mg/l ist anzustreben.

pH & KH: Diese Werte hängen untrennbar mit dem CO₂-Gehalt zusammen. Ein stabiler KH-Wert puffert den pH-Wert.

NH₃/NH₄ (Ammoniak/Ammonium): Muss stets bei 0 liegen. Nachweisbare Werte deuten auf massive Filterprobleme hin und begünstigen Staghorn-Algen.

Empfehlung: JBL ProAquaTest Lab* — Umfangreicher Testkoffer mit Tröpfchentests für alle relevanten Aquarien-Parameter. Bei Amazon prüfen →

Phosphat — der am häufigsten falsch verstandene Parameter

Ein hartnäckiger Mythos besagt, dass Phosphat direkt Algen verursacht. Dies stammt noch aus Zeiten, in denen stark überbesetzte Becken ohne Pflanzen gepflegt wurden. In einem modernen, bepflanzten Aquarium ist das Gegenteil der Fall: Ein Mangel an Phosphat stoppt das Pflanzenwachstum abrupt, woraufhin sich sofort Grüne Punktalgen auf Blättern und Scheiben ausbreiten. Ein moderater Phosphatwert (0,1 - 1,0 mg/l) ist daher absolut notwendig. Nur wenn extrem hohe Phosphatwerte auf sehr viel Licht und gleichzeitig fehlendes CO₂ treffen, kommt es zur Bildung von Fadenalgen. Sinkt der Wert auf Null, musst du mit einem Makrodünger nachhelfen. Ist der Wert durch zu starke Fütterung zu hoch, helfen sofortige, große Wasserwechsel.

CO₂ stabilisieren — der wichtigste Hebel gegen BBA

Nichts fördert Pinselalgen (BBA) so zuverlässig wie ein schwankender CO₂-Gehalt. Pflanzen benötigen Zeit, um sich an bestimmte CO₂-Werte anzupassen. Schwankt der Wert täglich, stellen Pflanzen das Wachstum ein, während die anpassungsfähigen Pinselalgen triumphieren. Eine CO₂-Anlage mit Magnetventil für eine automatische Nachtabschaltung ist daher Pflicht.

Zur Überwachung nutzt du einen Drop Checker (Dauertest). Dieser ist das wichtigste Sicherheitsinstrument. Achte jedoch darauf, dass diese Tests eine Trägheit von 1 bis 2 Stunden aufweisen. Wenn du die Blasenanzahl veränderst, siehst du das Resultat erst verzögert. Der pH-Wert sollte zwischen Tag und Nacht idealerweise um nicht mehr als 0,5 Einheiten schwanken.

CO₂-Gehalt deines Beckens prüfen →

Die 5-Schritte-Strategie gegen Algen

Wenn dein Aquarium akut von Algen befallen ist, gehe streng nach diesem Protokoll vor:

Schritt 1 — Algentyp identifizieren: Nutze die Beschreibungen weiter oben, um festzustellen, ob du ein Problem mit Grünalgen (Nährstoffmangel/Licht), Rotalgen (CO₂-Problem) oder Blaualgen (Biologie/Nitrat) hast.

Schritt 2 — Werte messen: Bevor du etwas ins Wasser kippst, miss Nitrat (NO₃), Phosphat (PO₄), den pH-Wert und kontrolliere deinen CO₂-Dauertest.

Schritt 3 — Ursache beseitigen: Passe basierend auf den Werten deine Technik an. Das bedeutet in der Regel: Lichtdauer auf 6 Stunden reduzieren, CO₂ leicht erhöhen, fehlende Makronährstoffe aufdüngen.

Schritt 4 — Mechanisch entfernen: Jede Alge, die du manuell entfernst, entzieht dem System Biomasse. Sauge Beläge beim Wasserwechsel ab, wickle Fadenalgen mit einem rauen Holzstab auf und reinige Scheiben mit einem Klingenreiniger. Schneide stark befallene Pflanzenblätter mutig ab.

Schritt 5 — Biologische Helfer einsetzen: Ergänze dein Ökosystem durch spezialisierte Algenfresser, sobald die Ursachen behoben sind.

Algenfresser — biologische Verbündete im Kampf gegen Algen

Der Einsatz von Tieren kann das Algen im Aquarium bekämpfen massiv erleichtern. Denke aber daran: Algenfresser beseitigen immer nur das Symptom, niemals die eigentliche Ursache. Sie sind die Aufräumkolonne, nicht der Architekt deines Beckens.

TierFrisstBeckenHinweis
Amano-GarneleFadenalgen, feine Belägeab 30 LDie effektivste und robusteste Allround-Wahl.
Otocinclus (Ohrgitter-Harnischwels)Kieselalgen, weicher Grünbelagab 60 LSehr gesellige Tiere. Zwingend in einer Gruppe (6+) zu halten.
Neritschnecken (Geweih-/Rennschnecken)Harter Grünbelag, Kieselalgenab 20 LExzellente Scheibenreiniger. Legen weiße Eier an Hardscape, die im Süßwasser nicht schlüpfen.
Antennenwels (Ancistrus)Grünbelag, Futterresteab 100 LWird sehr groß, revierbildend. Benötigt zwingend echtes Holz für die Verdauung.
Siamesische RüsselbarbePinselalgen, Fadenalgenab 250 LEine der wenigen Arten, die aktiv Pinselalgen fressen. Werden jedoch sehr groß und schwimmfreudig.

Wasserwechsel als Anti-Algen-Strategie

Die Frequenz und das Volumen deiner Wasserwechsel sind der wohl effektivste Hebel zur Algenkontrolle überhaupt. Ein Wasserwechsel transportiert überschüssige Nährstoffe, organische Abfallstoffe und vor allem frei schwimmende Algensporen physikalisch aus dem System.

Der Standard: Ein wöchentlicher Wasserwechsel von 30 bis 50 % gilt für bepflanzte Becken als optimales Management-Tool, um Nährstoffspitzen zu kappen.

Der Reset: Arbeitest du mit starken Düngesystemen, ist ein 50%iger Wasserwechsel pro Woche zwingend erforderlich, um eine toxische Akkumulation von Salzen zu verhindern.

Die Notbremse: Bei einer akuten, massiven Algenplage (oder im Kampf gegen eine Bakterienblüte) hat sich die Strategie etabliert, über mehrere Tage hinweg (z. B. alle 2 Tage) 80 % des Wassers zu wechseln, um die Sporendichte extrem zu senken.

Wasserwechsel-Guide

Glutaraldehyd — das mächtigste Werkzeug gegen Pinselalgen und BBA

Bei hartnäckigen lokalen Befällen von Pinselalgen oder Staghorn-Algen auf Wurzeln oder Steinen greifen viele erfahrene Aquarianer zur “Einnebelmethode” (Spot Treatment). Hierbei kommt oft eine Lösung mit dem Wirkstoff Glutaraldehyd (häufig als Easy Carbo oder “flüssiges CO₂” verkauft) zum Einsatz.

Glutaraldehyd ist wissenschaftlich betrachtet ein starkes Desinfektionsmittel. Es wirkt nicht primär als Kohlenstoffdünger, sondern erzeugt massiven oxidativen Stress, der die Proteine der Algenzellen zerstört.

Die Anwendung: Um hartnäckige Algen im Aquarium zu bekämpfen, wird der Filter kurz ausgeschaltet, um die Strömung zu stoppen. Die berechnete Tagesdosis des Mittels wird in eine kleine Spritze aufgezogen und gezielt unter Wasser auf die Pinselalgen “genebelt”. Nach 5-10 Minuten Einwirkzeit wird der Filter wieder aktiviert. Rotalgen verfärben sich nach dieser Behandlung meist innerhalb von 24 Stunden rosa oder weiß und sterben ab.

Achtung: Glutaraldehyd ist extrem toxisch bei Überdosierung. Es zehrt massiv Sauerstoff und kann Fischsterben verursachen. Es darf niemals über die empfohlene Tagesdosis hinaus dosiert werden.

Empfehlung: MasterLine Carbo* — Effektive Glutaraldehyd-Lösung zur punktuellen Algenbekämpfung. Bei Amazon prüfen →

Düngen ohne Algenboom — die Estimative Index Methode

Das Verständnis der Wasserchemie ist die Basis für das “Estimative Index” (EI) Konzept, das vom amerikanischen Aquarianer Tom Barr entwickelt wurde. Viele Einsteiger haben Angst vor Dünger, weil sie fürchten, damit Algen zu züchten. Die EI-Methode dreht diesen Gedanken um.

Beim Estimative Index wird dem Aquarium bewusst eine Überdosis an Makronährstoffen (Nitrat, Phosphat, Kalium) sowie Mikronährstoffen (Eisen, Spurenelemente) hinzugefügt. Das Ziel ist es sicherzustellen, dass die Wasserpflanzen absolut niemals in einen Mangelzustand geraten. Da gesunde, schnell wachsende Pflanzen der größte Konkurrent der Algen sind, wird Algenwachstum so biologisch unterdrückt.

Um zu verhindern, dass sich die nicht verbrauchten Nährstoffe über Wochen hinweg auf ein toxisches Niveau addieren, ist der zwingende Bestandteil dieser Methode ein wöchentlicher, massiver Wasserwechsel von mindestens 50 %. Dieser Wasserwechsel fungiert als “System-Reset”, der die Parameter wieder auf null stellt, bevor der Düngezyklus von vorn beginnt.

Empfehlung: Aqua Rebell Makro Basic Estimative Index* — Spezialdünger für stark beleuchtete Pflanzenbecken nach der EI-Methode. Bei Amazon prüfen →

Häufige Fragen (FAQ)

Sind Algen im Aquarium gefährlich für Fische?

Normale Grün-, Kiesel- oder Rotalgen sind für Fische und Wirbellose absolut harmlos. Sie stören lediglich die Ästhetik und verdrängen bei starkem Wuchs die Pflanzen. Eine Ausnahme bilden Blaualgen (Cyanobakterien), da einige Stämme unter bestimmten Bedingungen Toxine an das Wasser abgeben können.

Wie lange dauert es Pinselalgen loszuwerden?

Pinselalgen sind extrem widerstandsfähig und lagern Kalk in ihre Struktur ein. Auch nach einer Optimierung der CO₂-Werte sterben sie nur sehr langsam ab. Oft dauert es mehrere Wochen, bis sie von selbst abfallen; eine mechanische Entfernung oder die lokale Behandlung mit Glutaraldehyd beschleunigt den Prozess enorm.

Kann ich Algen mit Chemie einfach abtöten?

Chemische Algizide (z.B. auf Basis von Salicylsäure oder Kupfer) sollten wirklich nur als absolut letztes Mittel eingesetzt werden. Sie töten zwar kurzfristig die Algen, beseitigen aber niemals die Ursache. Zudem können sie extrem schädlich für empfindliche Pflanzen, die lebenswichtigen Filterbakterien und besonders für Zwerggarnelen sein.

Warum kommen Algen immer wieder zurück?

Algen kehren zurück, weil die Kausalitätskette des Systems nicht repariert wurde. Solange das Verhältnis von Beleuchtungsdauer, CO₂-Versorgung und der Nährstoffverfügbarkeit (Stickstoff, Phosphat) nicht im Gleichgewicht ist, werden Algensporen immer wieder eine Lücke finden und auskeimen.

Hilft mehr Wasserwechsel gegen Algen?

Ja, regelmäßige und großzügige Wasserwechsel sind das effektivste Management-Tool. Sie entfernen überschüssige Nährstoffe, die von Pflanzen nicht verbraucht wurden, verdünnen organische Abfallstoffe (wie Ammonium) und schwemmen im Wasser treibende Algensporen effektiv aus dem System.

Welche Pflanzen helfen gegen Algen?

Grundsätzlich helfen alle schnell wachsenden Stängelpflanzen, da sie Nährstoffe rasant aus dem Wasser aufnehmen und den Algen somit die Nahrungsgrundlage entziehen. Pflanzen wie Hornkraut (Ceratophyllum demersum), Wasserpest (Egeria densa) oder Indischer Wasserfreund (Hygrophila polysperma) sind exzellente Nährstoffzehrer für die Einfahrphase.


Dieser Artikel wurde von der Aquaristik-Experte.de Redaktion erstellt und regelmäßig aktualisiert.


Dieser Artikel ist Teil unseres Algen-Clusters — tiefer einsteigen:

Pinselalgen bekämpfen · Fadenalgen loswerden · Kieselalgen im neuen Aquarium · Phosphat kontrollieren · Wasserwechsel richtig machen · Die besten Algenfresser

Kostenloses Tool

Plane dein Aquarium in 7 Schritten

Beckengröße, Filter, Licht und Heizer — der Aquarium-Konfigurator prüft, ob alles zusammenpasst, und erstellt dir eine Einkaufsliste mit Budget. Direkt im Browser, ohne Anmeldung.

Aquarium-Konfigurator starten →