Amanogarnele halten: der ehrliche Algen-Putztrupp
Amanogarnele halten: der ehrliche Algen-Putztrupp
Nano

Amanogarnele halten:
der ehrliche Algen-Putztrupp

9. Juli 2026 8 Min. Lesezeit Von Jonas Weber

Ich hatte mal ein Scape, das nach vier Wochen unter grünen Fadenalgen verschwand. Kein schöner Anblick, wenn du monatelang an einem Layout gefeilt hast. Zehn Amanogarnelen später war das Becken in zwei Wochen sauber — und die Garnelen sind bis heute drin, sieben Jahre später. Die Amanogarnele ist kein Farbtier. Sie ist ein Werkzeug. Aber eines mit Charakter, und das beste, das ich gegen Algen kenne.

→ Wo die Amano zwischen den anderen Arten steht, klärt der große Garnelen-Arten-Guide.

Steckbrief: Caridina multidentata

Die Amanogarnele (Caridina multidentata, früher Caridina japonica) ist die größte der gängigen Zwerggarnelen. Weibchen werden bis zu 5 cm, Männchen bleiben schlanker. Woran du sie unterscheidest: Die seitlichen Punktreihen sind bei Männchen runde Punkte, bei Weibchen zu Strichen verschmolzen.

MerkmalWert
EndgrößeWeibchen bis 5 cm, Männchen kleiner
Lebenserwartung6–8 Jahre (außergewöhnlich lang)
Mindestbeckenab 54 Liter (60-cm-Kante)
Gruppengrößemindestens 5–10 Tiere
GH4–20 °dH
KH2–10 °dKH
pH6,5–8,0
Temperatur20–26 °C

Der Anspruch ist gering — die Amano toleriert einen breiten Wasserbereich und ist damit ein idealer Kandidat fürs Gesellschaftsbecken. Nur eins mag sie nicht: enge Nano-Becken. Für ihren Bewegungsdrang braucht sie Platz. Wer sie in den 10-Liter-Würfel setzt, sieht ein lethargisches, dauerhaft ausbruchswilliges Tier.

Was die Amano WIRKLICH frisst — und was nicht

Hier räume ich mit dem Mythos auf, denn der Handel verkauft die Amano als Universal-Algenlösung. Ist sie nicht. Sie ist Spezialistin.

Frisst sie zuverlässig: grüne Fadenalgen, Kieselalgen (die braunen Beläge im frisch eingefahrenen Becken) und weiche Biofilme. Gegen Fadenalgen ist sie das effektivste Tier im Hobby.

Rührt sie nicht an: Pinselalgen und Bartalgen (zu stark verkieselt), Blaualgen (Cyanobakterien) und harte Grünbeläge. Wer eine Pinselalgen-Plage hat, wird von der Amano enttäuscht — da hilft nur die Ursache.

→ Gegen die hartnäckigen Sorten hilft ein Blick in den Algen-Fresser-Vergleich und den Guide Algen im Aquarium bekämpfen.

Und noch ein ehrlicher Punkt: In einem picobelli sauberen Becken findet eine Gruppe ausgewachsener Amanos zu wenig Aufwuchs. Dann knabbern sie an weichen Pflanzen (Hygrophila, junge Ludwigia-Triebe) oder klauen den Fischen das Futter. Das ist kein böser Wille, das ist Hunger. Ein bis zwei pflanzliche Chips pro Woche lösen das Problem.

Empfehlung: Amanogarnelen als 10er-Gruppe* — in der Gruppe sind sie aktiver und weniger scheu. Für Becken ab 60 Liter der beste Fadenalgen-Fresser, den du bekommst. Ich nutze sie seit Jahren, einziger Haken: Sie klauen frech Fischfutter, wenn zu wenig Algen da sind. Aktuellen Preis prüfen →

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Warum sich Amanos nicht vermehren

Das ist die häufigste Enttäuschung: Dein Weibchen trägt Eier — und trotzdem kommen nie Junge. Der Grund liegt in der Biologie.

Die Amano hat einen ursprünglichen Fortpflanzungstyp. Während Red Fire und Bienengarnele fertige Mini-Garnelen entlassen, schlüpfen bei der Amano winzige Zoëa-Larven. Die haben keine Beine, schweben im Wasser und brauchen zwingend Brack- bis Salzwasser, um ihre Metamorphose zu durchlaufen. Im reinen Süßwasser sterben sie nach zwei bis fünf Tagen.

In der Natur werden die Larven ins Meer gespült, wachsen dort heran und wandern als Jungtiere zurück ins Süßwasser. Nachzüchten kannst du sie nur mit einem separaten Salzwasser-Aufzuchtbecken und marinem Phytoplankton als Futter — ein echtes Projekt für Fortgeschrittene, kein Zufallsprodukt im Wohnzimmerbecken.

Vorsicht bei der „Algengarnele” im Laden

Unter dem Namen „Algengarnele” landen oft Trittbrettfahrer im Becken: kleinere, weniger effektive Neocaridina-Wildformen oder die Ninja-Garnele (Caridina serratirostris), die blitzschnell die Farbe wechselt. Die echte Amano erkennst du an den seitlichen Punktreihen mit rötlich-brauner Zeichnung auf transparentem Körper — und daran, dass sie ihre Farbe eben nicht anpasst.

Passt die Amano zu meinem Besatz?

Die Amano ist so groß, dass adulte Tiere in den meisten Gesellschaftsbecken sicher sind — kein Neon bekommt eine 5-cm-Garnele ins Maul. Das macht sie zum idealen Wirbellosen fürs bepflanzte Gesellschaftsbecken. Wie es bei kleineren Arten und beim Nachwuchs aussieht, klärt der Guide → Garnelen vergesellschaften.

Häufige Fragen zur Amanogarnele

Wie viele Amanogarnelen brauche ich gegen Algen? Faustregel: etwa eine Amano pro 8 bis 10 Liter. Für ein 60-Liter-Becken also 6 bis 8 Tiere. In der Gruppe arbeiten sie effektiver und zeigen mehr natürliches Verhalten.

Fressen Amanogarnelen Pflanzen? Nur wenn sie hungern. In einem gut bewachsenen Becken mit genug Aufwuchs lassen sie Pflanzen in Ruhe. Knabbern sie an weichen Trieben, füttere pflanzliche Chips zu — dann ist das Problem gelöst.

Wie alt werden Amanogarnelen? Sechs bis acht Jahre — für Zwerggarnelen enorm. Du kaufst also einen langjährigen Mitbewohner, keine Wegwerf-Deko.

Vertragen sich Amanos mit Red Fire? Ja, problemlos. Sie kreuzen sich nicht und stören einander nicht. Nur beim Futter ist die Amano schneller — kleinere Garnelen kommen im Wettbewerb manchmal zu kurz, also breit füttern.


Nächster Schritt: Zurück zur Übersicht Welche Garnele passt zu mir? — oder, wenn du zusätzlich Farbe ins Becken willst, der Steckbrief der Red Fire Garnele.

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