Aquascaping-Steine: Drachenstein, Seiryu & Lava
Aquascaping-Steine: Drachenstein, Seiryu & Lava
Aquascaping

Aquascaping-Steine:
Drachenstein, Seiryu & Lava

13. Mai 2026 8 Min. Lesezeit Von der Redaktion

Dieser Artikel ist Teil unserer Serie zu Aquariumpflanzen: Der komplette Guide. Noch ganz am Anfang? Dann lies zuerst den Aquascaping-Einsteiger-Guide.

Hier kommt eine Wahrheit, die unbequem ist: Du wirst für hübsche Steine mehr Geld ausgeben, als du je für gerechtfertigt hältst. Ein vernünftiges Set Drachenstein für ein 60-Liter-Becken kostet 30–60 Euro. Ein einzelner schöner Hauptstein im Aquascaping-Wettbewerbsformat? Schnell mal 80 Euro. Die Frage ist also nicht nur “welcher Stein” — sondern auch “wie verhindere ich, dass ich 60 Euro für einen Stein ausgebe, der mein Wasser ruiniert”.

Denn das ist das Problem: Nicht jeder Stein gehört ins Aquarium. Kalkhaltige Gesteine können deine Wasserchemie über Monate kippen — mit drastischen Folgen für Pflanzen und Fische. Lass uns das systematisch durchgehen.

Wasserneutral oder härtungsaktiv? Die wichtigste Unterscheidung

Steine teilen sich in zwei Hauptgruppen. Die kennst du, oder du bezahlst mit grünem Wasser dafür.

Wasserneutrale Steine lösen keine Mineralien ins Wasser. Chemisch stabil, pH und Härte bleiben unverändert. Beispiele: Drachenstein, Lava, Basalt, die meisten Schiefer-Arten.

Härtungsaktive Steine enthalten Calciumcarbonat (Kalk). Unter dem CO₂-Einfluss im Aquarium lösen sie über Monate Calcium- und Magnesium-Ionen — GH und KH steigen, der pH klettert nach oben. Beispiele: Seiryu, Lochgestein, Marmor, klassischer Kalkstein.

Für Weichwasser-Aquarien mit Diskusfischen, Salmlern oder Garnelen sind nur wasserneutrale Steine die richtige Wahl. Für Hartwasser-Becken (Malawi-Cichliden, große Buntbarsche) sind kalkhaltige Steine sogar erwünscht — sie stabilisieren die hohen pH-Werte, die diese Tiere brauchen.

Der Essig-Test: Kalk in 30 Sekunden erkennen

Du stehst im Baumarkt vor einem Haufen Steine, die “fürs Aquarium geeignet” sein sollen, und keiner weiß genau. Drei-Minuten-Trick aus der Hosentasche:

  1. Stein abspülen und trocknen
  2. An einer unauffälligen Stelle einen Tropfen Haushaltsessig (10 % Säure) oder Zitronensaft aufbringen
  3. 30 Sekunden warten

Schäumt es → Kalk drin. Reaktion: CaCO₃ + 2 HCl → CaCl₂ + H₂O + CO₂↑. Für Weichwasserbecken: Finger weg.

Keine Reaktion → wahrscheinlich wasserneutral. Für die Paranoiden unter uns: 24 Stunden in einem Glas Wasser mit pH-Messgerät beobachten. Steigt der pH? Dann ist’s doch kalkhaltig.

Den Test kannst du im Laden machen. Wirst zwar schräg angeguckt, aber die 50 Euro Steine wirst du nicht zweimal kaufen.

Die 6 wichtigsten Aquariensteine im Überblick

1. Drachenstein (Ohko Stone) — der unangefochtene Allrounder

Der Aquascaping-Stein der Welt. Drachenstein ist ein sandsteinartiges Material aus Japan und China mit charakteristischen Höhlen, Kammern und Falten. Die Oberfläche sieht aus wie versteinerte Bäume oder die Haut eines schlafenden Drachen. Wenn du dich nur für einen Stein entscheiden willst, nimm den.

Eigenschaften: Wasserneutral, relativ leicht (3–5 kg/Stück), Pflanzen können in den Vertiefungen Wurzeln schlagen, ideal für Aufsitzer wie Moose und Bucephalandra.

Layouts: Universell — Iwagumi, Naturlandschaft, Dschungel-Look. Der Klassiker für 90 % aller Aquascapes.

Preis: 4–7 €/kg

2. Seiryu Stone (Minilandschaft) — der scharfkantige Drama-Queen

Seiryu kommt ursprünglich aus Japan, wird inzwischen auch in China abgebaut. Charakteristisch: scharfe gebrochene Kanten und weiße Calcit-Adern auf dem dunkelgrauen Stein. Wirkt im Aquarium fast theatralisch, wie eine Miniatur-Bergkette nach einem Erdbeben.

Eigenschaften: Härtet das Wasser leicht auf (KH +2–4° in 6 Monaten). Der pH-Wert klettert um 0,3–0,5 Einheiten. Optisch eindrucksvoll, aber chemisch nicht ohne.

Layouts: Klassischer Iwagumi-Stein — bekannt aus den Takashi Amano-Kompositionen. Ideal für hartes Wasser, bedingt für weiches Wasser.

Preis: 6–10 €/kg

3. Lavastein — leicht, porös, unkompliziert

Vulkanisches Lavagestein ist extrem leicht — frische Stücke schwimmen sogar! — und porös. Die zerklüftete Struktur wirkt als biologisches Filtermedium, weil sich Bakterien massiv darin ansiedeln können.

Eigenschaften: Komplett wasserneutral, je nach Sorte schwarz, rotbraun oder grau. Sehr poröse Oberfläche — Moose und Aufsitzer wachsen ideal darauf an.

Layouts: Naturlandschaft, Vulkan-Themen, als Basis für Aufsitzer-Pflanzen. Auch als versteckte Hügelfüllung unter dem Bodengrund top — du reduzierst Soil-Bedarf und schaffst Höhe.

Preis: 2–4 €/kg

4. Schiefer (Black Slate) — der Plattenleger

Schiefer bildet flache, dunkle Platten. Ideal für Treppen-Strukturen, Höhlen und Felsabsätze. Die Plattenform macht das Stapeln und Kleben mit Aquariensilikon zum Kinderspiel.

Eigenschaften: Meist wasserneutral (Test empfohlen, manche Sorten haben Kalk-Einschlüsse), tiefschwarz bis dunkelgrau, sehr gute Stapelbarkeit.

Layouts: Treppen, Höhlen für Welse und Garnelen, geometrische Aquascapes. Beliebt für Asian-Inspired Layouts mit klaren Linien.

Preis: 3–5 €/kg

5. Basalt — die dunkle Eleganz

Basaltsäulen mit ihrer charakteristischen Sechskant-Struktur sind ein modernes Aquascaping-Element. Sehr dichter, schwerer Stein mit dunkler Färbung. Hat eine architektonische Wirkung, die kein anderer Stein erreicht.

Eigenschaften: 100 % wasserneutral, sehr schwer, edle Optik, vulkanischer Ursprung.

Layouts: Moderne Architektur-Layouts, Säulen-Anordnungen, Hightech-Becken. Wenn du was Reduziertes willst statt rustikal: Basalt.

Preis: 4–8 €/kg

6. Lochgestein (Holey Rock) — nur für Hartwasser

Lochgestein ist ein extrem kalkhaltiger Stein aus den Tropen mit großen Löchern und Tunneln. Sehr beliebt für Buntbarsch-Becken.

Eigenschaften: Stark kalkhaltig (härtet KH und GH deutlich auf), pH steigt auf 8+. Bizarre Lochstruktur mit unzähligen Verstecken.

Layouts: Ausschließlich für Malawi-, Tanganjika- oder andere Hartwasser-Becken. Für Weichwasser-Aquaristik ein No-Go.

Preis: 5–10 €/kg

Steine aus der Natur sammeln — geht das?

Theoretisch ja, mit Vorsicht. Wenn du aus dem Wald oder vom Bachbett Steine mitbringen willst, halt dich an diese Regeln:

  1. Herkunft prüfen — keine Steine aus Naturschutzgebieten. Keine aus Flüssen mit landwirtschaftlicher Nutzung (Pestizid-Rückstände).
  2. Essig-Test machen — Kalk vermeiden, wenn du Weichwasser willst.
  3. Metalleinschlüsse vermeiden — rostige Eisen-Adern, Glimmer, Pyrit gehören nicht ins Aquarium. Pyrit zerlegt sich im Wasser zu Schwefelsäure. Das ist nicht spaßig.
  4. Gründlich reinigen — abkochen oder mit 1:20 Bleichmittel-Lösung desinfizieren, danach 24 h wässern.
  5. Ölfilm prüfen — in eine Glasschale legen, beobachten, ob ein Film auf dem Wasser entsteht. Bei Verdacht: Stein nicht verwenden.

Sicherer ist Fachhandel — kostet etwas mehr, aber das Risiko entfällt. Ich habe mal einen “perfekten” Stein aus einem Bayrischen Bach mitgenommen. Der pH-Wert ist über Wochen auf 9 geklettert, bis ich den Übeltäter gefunden habe. Nie wieder Wildfang.

Layout-Stile: Welcher Stein für welches Konzept?

Iwagumi — der japanische Klassiker

Iwagumi-Layouts arbeiten mit 3, 5 oder 7 Steinen in asymmetrischer Komposition. Hauptstein (Oyaishi) dominiert die Szene, Nebensteine (Fukuishi) ergänzen, Beiwerk (Soeishi, Suteishi) rundet ab. Eine fast meditative Komposition, sieht einfach aus, ist aber schwer richtig hinzubekommen.

Ideale Steine: Seiryu (klassisch), Drachenstein (modern), Basalt (zeitgenössisch).

Naturlandschaft (Nature Aquarium)

Inspiriert von Takashi Amano — dem Japaner, der das moderne Aquascaping erfunden hat. Berge, Wälder, Schluchten unter Wasser nachbilden. Steine und Wurzeln zusammen mit dichter Bepflanzung.

Ideale Steine: Drachenstein, Lavastein, Schiefer.

Dutch Style

Pflanzen-fokussiert, minimal Hardscape. Steine dienen nur als Stützstruktur für die Pflanzenkompositionen.

Ideale Steine: Wenige, große, einfache Drachensteine.

Biotop-Aquarium

Naturgetreue Nachbildung eines konkreten Lebensraums.

  • Amazonas: Wasserneutrale Steine + viele Wurzeln
  • Malawi: Lochgestein, Kalkstein
  • Asiatische Bäche: Drachenstein, Schiefer

Die häufigsten Fehler mit Aquariensteinen

  1. Steine direkt auf die Glasscheibe legen. Druckpunkt → Glas kann zerspringen. Immer eine Lage Filtermatte oder Schaumstoff darunter. Klingt paranoid, ist aber echt — ein Bekannter hat sein 200-Liter-Becken so verloren.
  2. Zu kleine Steine gekauft. Wirken im Becken winzig. Faustregel: Hauptstein faustgroß pro 20 L Beckenvolumen. Lieber wenige große als viele kleine.
  3. Gerade Anzahl Steine. Symmetrie wirkt im Aquarium unnatürlich, das Auge findet keinen Ruhepunkt. Immer ungerade Zahlen (3, 5, 7).
  4. Symmetrische Anordnung. Hauptstein nicht in die Mitte — das ist die Todesposition jeder Komposition. Goldenen Schnitt verwenden (etwa 1/3 oder 2/3 vom Rand).
  5. Steine nicht vorgewässert. Staub und lose Mineralien trüben das Wasser. Vor dem Einsetzen 24 h wässern, gut abschrubben.

FAQ

Wie schwer dürfen Steine im Aquarium sein? Maximales Gesamtgewicht entspricht der Wasserkapazität in kg. 200-L-Becken trägt theoretisch 200 kg Steine. Praktisch: Filtermatte als Druckpuffer einlegen, dann ist die Statik kein Thema.

Kann ich Steine zusammenkleben? Ja, mit Aquariensilikon (NICHT mit fungizidem Silikon aus dem Baumarkt) oder Sekundenkleber (Cyanacrylat). Beide nach dem Aushärten lebensmittel- und tierneutral.

Wie viel Stein brauche ich für mein Becken? Für ein durchschnittliches Layout: ca. 1 kg Stein pro 10 L Beckenvolumen. Ein 60-L-Becken braucht etwa 6 kg Hardscape (Stein + Wurzel zusammen).

Können Steine schimmeln? Bevor sich Bakterien ansiedeln, kann sich ein weißlich-grauer Bakterienrasen bilden — vor allem auf Wurzeln, seltener auf Steinen. Verschwindet nach 1–3 Wochen von selbst. Ungefährlich, aber unschön. Garnelen weiden ihn übrigens gerne ab.

Färben Steine das Wasser? Wasserneutrale Steine: nein. Tropische, eisenhaltige Steine können das Wasser leicht bräunlich tönen. Im Zweifel: 24 h in einem Glas wässern und beobachten, bevor sie ins Becken kommen.


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