Artemia selber züchten: Anleitung für Aufzuchtfutter
Artemia selber züchten: Anleitung für Aufzuchtfutter
Ratgeber

Artemia selber züchten:
Anleitung für Aufzuchtfutter

6. Juli 2026 8 Min. Lesezeit Von Dennis Müller

Wer ernsthaft Jungfische aufziehen will, kommt an Artemia kaum vorbei. Frisch geschlüpfte Salinenkrebse — Nauplien — sind das ideale erste Lebendfutter: winzig, proteinreich, in Bewegung (was den Fressreiz auslöst) und durch ihren Dottervorrat besonders nahrhaft. Und das Beste: Du kannst sie für ein paar Cent selbst züchten, immer frisch, immer verfügbar.

Kurz gesagt: Der Aufwand ist kleiner, als die meisten denken. Du brauchst ein Gefäß, Salz, eine Luftpumpe und die Eier. Nach 24 bis 36 Stunden schlüpfen die Nauplien. Ich mache das seit Jahren mit einer simplen Flaschen-Konstruktion. Hier die komplette Anleitung.

Was du für den Ansatz brauchst

Die vollständige Einkaufsliste — nichts davon ist teuer:

  • Artemia-Eier (Zysten) — das eigentliche “Saatgut”
  • Salz — spezielles Artemia-Salz oder reines Meersalz (kein Speisesalz mit Jod/Rieselhilfe)
  • Ein Gefäß — eine umgedrehte PET-Flasche oder ein Schlupfgerät mit konischem Boden
  • Luftpumpe mit Schlauch — für ständige Bewegung, ohne Ausströmerstein (der verklebt)
  • Eine Lampe — Wärme und Licht fördern den Schlupf
  • Feines Sieb oder Artemiasieb — zum Ernten

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Brauchst du nicht: eine teure “Artemia-Zuchtstation” aus dem Handel. Eine 1,5-Liter-PET-Flasche, kopfüber in einen Halter gesteckt, macht denselben Job für null Euro. Das Geld steckst du besser in gute Eier mit hoher Schlupfrate.

Schritt für Schritt zum Ansatz

  1. Salzlösung anrühren: etwa 25–30 Gramm Salz pro Liter Wasser. Zimmertemperatur bis handwarm.
  2. Eier zugeben: rund einen halben Teelöffel pro Liter. Weniger ist mehr — zu dicht schlüpft schlechter.
  3. Belüften: Luftschlauch bis fast auf den Boden, damit die Eier ständig in Bewegung bleiben und nicht absetzen. Es soll kräftig blubbern.
  4. Wärme und Licht: ideal sind 25–28 °C. Eine Lampe daneben liefert beides. Kühler dauert es länger.
  5. Warten: Nach 24 bis 36 Stunden sind die Nauplien geschlüpft — ein oranger Schwarm, der sich im Wasser bewegt.

Ernten — der Licht-Trick

Hier kommt der einzige kleine Kniff. Nach dem Schlupf schaltest du die Belüftung ab und wartest ein paar Minuten. Dann trennt sich der Ansatz: Die leeren Eischalen schwimmen oben, die unverschlüpften Zysten sinken nach unten — und die lebenden Nauplien sammeln sich in der Mitte, angezogen vom Licht.

Halte eine Lampe an eine Stelle des Gefäßes: Die Nauplien schwimmen zum Licht und sammeln sich dort. Von da saugst du sie mit einem Schlauch ab und gießt sie durch ein feines Sieb. Kurz mit Süßwasser abspülen — fertig ist das Aufzuchtfutter.

Wichtig: Die leeren Eischalen dürfen NICHT ins Becken. Verschluckte Schalen können bei Jungfischen zu Verstopfung führen. Deshalb der Trennschritt.

Frisch verfüttern — der Nährwert tickt

Frisch geschlüpfte Nauplien zehren von ihrem Dottersack und sind in den ersten Stunden am nährstoffreichsten. Danach nimmt der Nährwert ab. Deshalb: möglichst frisch verfüttern. Für eine durchgehende Versorgung setze ich alle ein bis zwei Tage einen neuen Ansatz an — so habe ich immer frische Nauplien für die Jungfischaufzucht.

Wofür sich der Aufwand lohnt

Nicht jeder braucht eine Artemia-Zucht. Sie lohnt sich, wenn du:

  • Jungfische aufziehst — Salmler, Bärblinge, Guppys, Kampffische
  • Heikle Fresser hast, die frisches Bewegungsfutter brauchen
  • Regelmäßig kleines Lebendfutter willst, ohne ständig zu kaufen

Wer nur ab und zu Abwechslung ins Becken bringen will, ist mit Frostfutter oder gefriergetrockneter Artemia besser bedient — das ist ohne Zuchtaufwand sofort verfügbar.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Artemia schlüpft?

Bei 25–28 °C etwa 24 bis 36 Stunden. Kühler dauert es länger, wärmer geht es etwas schneller, sollte aber 30 °C nicht dauerhaft überschreiten.

Wie viel Salz für Artemia?

Etwa 25–30 Gramm pro Liter Wasser. Nimm Artemia- oder reines Meersalz, kein jodiertes Speisesalz mit Rieselhilfe.

Warum muss ich Eischalen entfernen?

Verschluckte leere Eischalen können bei Jungfischen zu Verstopfung führen. Über den Licht-Trenntrick sammelst du nur die lebenden Nauplien ab.

Wie oft neuen Ansatz machen?

Für durchgehende Versorgung alle ein bis zwei Tage. Frisch geschlüpfte Nauplien sind am nährstoffreichsten, daher lohnt der frische Ansatz.

Kann ich Artemia auch ohne Zucht füttern?

Ja — als Frostfutter oder gefriergetrocknet. Für die reine Abwechslung reicht das. Selber züchten lohnt vor allem für die Aufzucht von Jungfischen.


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