Die meisten Axolotl-Zuchten sind Unfälle. Meine erste auch. Es war Februar, ich hatte einen großen Wasserwechsel mit kaltem Leitungswasser gemacht. Am nächsten Morgen hingen an jedem Hornkrautstängel kleine Kugeln in Gallerte — gut vierhundert Stück. Ich hatte nicht vor zu züchten. Die beiden offensichtlich schon.
Axolotl zu vermehren ist nicht schwer. Das Schwere kommt danach: Aus einem Gelege schlüpfen Hunderte Larven, die täglich lebendes Futter brauchen, sich gegenseitig anfressen und in einem halben Jahr ein Zuhause suchen. Deshalb vorweg meine ehrliche Empfehlung: Züchte nur, wenn du weißt, wohin mit den Jungtieren.
Wenn die Eier schon da sind, ist das kein Weltuntergang. Dann hilft dir dieser Artikel durch die nächsten Wochen.
Kaufberater: Wo stehst du gerade?
- Die Eier hängen schon an den Pflanzen — Sie brauchen ein eigenes Aufzuchtbecken, sonst fressen die Eltern sie. Das Juwel Primo 70 reicht für die ersten Wochen, den Filtereinlauf sicherst du mit Schwamm. Preis prüfen →
- Die Larven schlüpfen in den nächsten Tagen — Setz jetzt Artemia an. Der sera Artemia Mix ist fertig gemischt, in ein bis zwei Tagen hast du lebendes Futter. Preis prüfen →
- Die Jungtiere werden unterschiedlich groß und fressen sich an — Zeit zum Sortieren. Für die Großen reicht eine geräumige Faunabox mit täglichem Wasserwechsel. Preis prüfen →
- Die ersten sind acht Zentimeter groß — Ab jetzt nehmen sie Pellets. JBL NovoLotl M ist für Tiere von 8 bis 20 cm gemacht. Preis prüfen →
Wie das Becken für die erwachsenen Tiere aussehen sollte, steht im Axolotl-Aquarium-Ratgeber.
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Vor der Zucht kommt die Frage nach den Jungtieren
Ein Weibchen legt pro Gelege mehrere hundert Eier, manchmal über tausend. Selbst wenn nur die Hälfte durchkommt, sitzt du nach einem halben Jahr vor einer Menge Axolotl, die alle ein Becken mit viel Bodenfläche brauchen.
Der Markt ist voll. Zoogeschäfte nehmen meist nur wenige Tiere ab, oft gegen eine Gutschrift. Über Kleinanzeigen und Züchterkontakte findest du Abnehmer, aber das dauert. Viele Züchter ziehen deshalb bewusst nur einen Teil eines Geleges auf.
Eines ist keine Option: Axolotl aussetzen. Das ist verboten, und der Handel mit Schwanzlurchen hat bereits den Hautpilz Bsal nach Europa gebracht, der heimische Feuersalamander-Bestände auslöscht. Weder Tiere noch Eier noch Beckenwasser gehören in einen Teich oder Bach.
Wenn du abgibst, gib einen Herkunftsnachweis mit — Name und Anschrift, Datum, Art, Anzahl und der Vermerk „Nachzucht”. Die Käufer brauchen ihn, genau wie du ihn beim Kauf gebraucht hast.
Geschlechtsreife: nicht zu früh verpaaren
Axolotl werden etwa mit einem Jahr geschlechtsreif. Dann schwillt beim Männchen die Kloake hinter den Hinterbeinen deutlich an, das Weibchen wird am Bauch runder. Wie du die Geschlechter sicher unterscheidest, steht in Axolotl kaufen.
Geschlechtsreif heißt aber nicht zuchtreif. Ein Gelege kostet das Weibchen enorm viel Substanz. Warte, bis es mindestens anderthalb Jahre alt und gut genährt ist. Nach einer Eiablage braucht es mehrere Monate Pause, bevor es wieder mit einem Männchen zusammenkommt.
Was die Paarung auslöst
In der Natur fällt die Laichzeit in den Winter und das Frühjahr. Im Aquarium genügt oft ein kräftiger Temperaturabfall — genau wie bei meinem Februar-Wasserwechsel. Kaltes Frischwasser, dazu längere Tage, und das Männchen wird aktiv.
Die Balz sieht unspektakulär aus. Das Männchen läuft vor dem Weibchen her und setzt kleine, weißliche Samenpakete auf den Boden, sogenannte Spermatophoren. Das Weibchen folgt ihm und nimmt sie mit der Kloake auf. Wenige Stunden bis zwei Tage später beginnt die Eiablage. Das Weibchen heftet jedes Ei einzeln an Pflanzen, Wurzeln oder Deko, oft über eine ganze Nacht verteilt.
Die Eier: umsetzen, aussortieren, warten
Die Eltern fressen ihre Eier und später die Larven. Deshalb müssen die Eier raus, am besten in ein eigenes Becken mit Wasser aus dem Elternbecken. Am einfachsten nimmst du die Pflanzenstängel samt Eiern mit. Einzelne Eier an der Scheibe löst du vorsichtig mit dem Finger.
Das Aufzuchtbecken braucht keinen Bodengrund und nur einen sanften Filter. Ein Schwammfilter an einer Luftpumpe ist ideal. Nutzt du den Filter eines Sets, stülp einen Schwamm über den Einlauf. Sonst verschwinden die Larven darin.
Nach ein bis zwei Tagen siehst du, welche Eier befruchtet sind. Unbefruchtete Eier werden weiß und trüb und fangen an zu verpilzen. Nimm sie mit einer Pipette heraus, bevor der Pilz auf gesunde Eier übergreift.
Bei etwa 18 Grad schlüpfen die Larven nach 14 bis 17 Tagen, bei wärmerem Wasser etwas früher. Treib die Temperatur nicht hoch, um Zeit zu sparen. Die Entwicklung soll in Ruhe ablaufen.
Die ersten Wochen: Artemia, Artemia, Artemia
Frisch geschlüpfte Larven sind etwa einen Zentimeter lang und leben die ersten zwei bis drei Tage von ihrem Dottervorrat. Danach brauchen sie Futter — und zwar lebendes. Axolotl-Larven schnappen nur nach dem, was sich bewegt. Neben Staubfutter verhungern sie.
Das Futter der ersten Wochen sind frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Setz sie an, sobald die Larven in den Eiern zappeln: Artemia brauchen ein bis zwei Tage, bis sie schlüpfen. Wie das mit Flasche, Salz und Luftpumpe funktioniert, steht in Artemia selber züchten. Mit einem fertigen Mix wie dem sera Artemia Mix sparst du dir das Abwiegen.
Füttere zweimal täglich und so viel, dass die Bäuche der Larven orange schimmern. Tote Artemia verderben das Wasser schnell. Sauge den Boden deshalb jeden Tag ab und wechsle einen Teil des Wassers.
Nach ein paar Wochen sind die Vorderbeine da, die Hinterbeine folgen einige Wochen später. Ab etwa zwei bis drei Zentimetern kommen Daphnien und gehackte Mückenlarven dazu, später klein geschnittene Würmer. Ab etwa acht Zentimetern nehmen die meisten Jungtiere Pellets. Wie es danach weitergeht, steht in Axolotl füttern.
Kannibalismus: sortieren, bevor es zu spät ist
Axolotl-Larven fressen alles, was sich bewegt und ins Maul passt — auch ihre Geschwister. Solange alle gleich groß sind, bleibt es bei angebissenen Zehen und Kiemen, die nachwachsen. Sobald einige schneller wachsen, werden die Kleinen zur Beute.
Deshalb sortierst du, und zwar regelmäßig: jede Woche einmal nach Größe. Die Großen kommen in ein eigenes Becken oder eine geräumige Box, die Kleinen bleiben zusammen. Je weniger Tiere pro Liter, desto ruhiger wird es. Gut gefütterte Larven beißen weniger.
Wenn du keinen Nachwuchs willst
Die einfachste Verhütung ist die Geschlechtertrennung. Zwei Weibchen oder zwei Männchen vertragen sich meist gut. Weil sich das Geschlecht erst nach etwa einem Jahr erkennen lässt, beobachtest du junge Paare aufmerksam und trennst sie rechtzeitig.
Hast du schon Männchen und Weibchen im Becken, kannst du sie mit einer dichten Trennscheibe teilen, bis du ein zweites Becken hast. Und merk dir den Auslöser: Große Wasserwechsel mit deutlich kälterem Wasser sind im Winter die zuverlässigste Einladung zur Balz.
Die häufigsten Fehler bei der Axolotl-Zucht
- Zu früh verpaaren. Ein Weibchen unter anderthalb Jahren wird durch ein Gelege stark geschwächt.
- Die Eier im Elternbecken lassen. Eltern fressen Eier und Larven, meist innerhalb weniger Tage.
- Kein lebendes Futter bereit haben. Wer erst nach dem Schlupf Artemia bestellt, verliert die ersten Larven.
- Nicht nach Größe sortieren. Aus kleinen Größenunterschieden wird innerhalb weniger Tage Kannibalismus.
- Ohne Plan für die Jungtiere züchten. Hunderte Axolotl brauchen Hunderte Becken oder Abnehmer — beides fällt nicht vom Himmel.
FAQ zur Axolotl-Zucht
Wie viele Eier legt ein Axolotl?
Ein Weibchen legt pro Gelege mehrere hundert Eier, manchmal über tausend. Jedes Ei heftet es einzeln an Pflanzen, Wurzeln oder Deko, oft über eine ganze Nacht verteilt.
Wie lange dauert es, bis Axolotl-Eier schlüpfen?
Bei etwa 18 Grad schlüpfen die Larven nach 14 bis 17 Tagen, in wärmerem Wasser etwas früher. Unbefruchtete Eier werden nach ein bis zwei Tagen weiß und gehören aus dem Becken.
Was fressen Axolotl-Babys?
In den ersten zwei bis drei Tagen nach dem Schlupf leben sie vom Dottervorrat. Danach fressen sie lebende, frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, später Daphnien, gehackte Mückenlarven und kleine Würmerstücke. Ab etwa acht Zentimetern nehmen die meisten Pellets.
Fressen Axolotl ihre eigenen Eier?
Ja, Eltern fressen sowohl Eier als auch Larven. Setz die Eier deshalb so schnell wie möglich in ein eigenes Aufzuchtbecken um.
Ab wann sind Axolotl geschlechtsreif?
Ungefähr ab einem Jahr. Zur Zucht solltest du ein Weibchen aber erst ab etwa anderthalb Jahren einsetzen, weil ein Gelege es stark auszehrt.
Wie verhindere ich, dass meine Axolotl sich vermehren?
Halte nur Tiere eines Geschlechts oder trenne Männchen und Weibchen, sobald du sie unterscheiden kannst. Vermeide im Winter große Wasserwechsel mit deutlich kälterem Wasser, denn der Temperaturabfall löst oft die Balz aus.
Warum sind meine Axolotl-Eier weiß geworden?
Weiße, trübe Eier sind unbefruchtet oder abgestorben und beginnen bald zu verpilzen. Nimm sie mit einer Pipette heraus, damit der Pilz nicht auf die gesunden Eier übergreift.
Axolotl zu züchten ist ein kleines Wunder, das du einmal gesehen haben solltest. Aber es ist ein Wunder mit mehreren hundert Folgekosten. Plan die Jungtiere, bevor du die Eltern zusammensetzt.
Weiterlesen:
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