Blauer Königssalmler (Inpaichthys kerri) — Foto
Blauer Königssalmler — Inpaichthys kerri — Foto
Fische

Blauer Königssalmler halten:
Steckbrief & Pflege

28. August 2026 8 Min. Lesezeit Von Sabrina Koch
Blauer Königssalmler
Inpaichthys kerri
Schwierigkeit
Herkunft
Brasilien, Rio Aripuanã (Mato Grosso)
Beckengröße
Ab 100 Liter (80 cm Kantenlänge)
Temperatur
24 – 27 °C
pH-Wert
6,0 – 7,5
Wasserhärte
5 – 12 °dGH
Sozialverhalten
Schwarmfisch (min. 10 Tiere)

Der Blaue Königssalmler ist einer von den Fischen, bei denen die Fotos im Netz mehr versprechen als das Verkaufsbecken hält — und trotzdem lohnt er sich. Auf den Bildern zieht sich ein leuchtend violettblaues Band über den Körper. Im Zoohandel, unter grellem Neonlicht über hellem Kies, siehst du einen kleinen grauen Fisch mit einem dunklen Längsstreifen.

Beides ist derselbe Fisch. Der Unterschied ist die Beleuchtung und der Untergrund, und das ist bei dieser Art keine Kleinigkeit am Rande, sondern der ganze Punkt.

Ich halte eine Gruppe von fünfzehn Tieren in einem 100-Liter-Becken mit dunklem Sand, Wurzeln und Seemandelbaumblättern. Wenn morgens die Sonne flach durchs Fenster kommt, sieht der Schwarm aus wie eine Handvoll blauer Funken. Dieselben Tiere standen im Laden in einem Becken, an dem ich zweimal vorbeigegangen bin.

Erst die Namensverwirrung aufräumen

Im deutschen Handel laufen zwei völlig verschiedene Fische unter ähnlichen Namen, und das führt regelmäßig zu Fehlkäufen:

HandelsnameWissenschaftlichEndgrößeBecken
Blauer KönigssalmlerInpaichthys kerrica. 4 cmab 80 cm / 100 L
Kaisersalmler, KaisertetraNematobrycon palmerica. 5,5 cmab 80 cm / 112 L

Der Kaisersalmler hat einen kantigen, dreispitzigen Schwanz und wirkt insgesamt größer und gestreckter. Der Königssalmler ist kompakter, rundlicher und deutlich kleiner. Wer online “Königssalmler” bestellt, bekommt mal den einen, mal den anderen — im Zweifel den wissenschaftlichen Namen mitschicken.

Dazu kommt die Handelsform “Super Blue”. Das ist keine eigene Art und keine Unterart, sondern eine Zuchtauslese von Inpaichthys kerri auf verstärkte Blaufärbung. Pflegerisch identisch, im Becken etwas auffälliger, im Preis meist etwas höher.

Herkunft: ein Nebenfluss im Mato Grosso

Inpaichthys kerri stammt aus dem Rio Aripuanã, einem Nebenfluss im oberen Einzugsgebiet des Rio Madeira im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Das Wasser dort ist weich, leicht sauer und durch Falllaub bräunlich gefärbt — Schwarzwasser im weiteren Sinne.

Das ist der Grund, warum Huminstoffe bei dieser Art so viel ausmachen. Es geht nicht um Nostalgie fürs Biotop: In leicht getrübtem, bernsteinfarbenem Wasser reflektiert die Flanke anders, und das Tier fühlt sich sicher genug, um nicht dauernd in der Deckung zu stehen. Beides zusammen macht die Farbe.

Zur Größe eine ehrliche Einordnung: FishBase gibt 2,8 cm Standardlänge an, also ohne Schwanzflosse. Im Handel wird meist von 4 bis 5 cm gesprochen. Realistisch landest du bei ausgewachsenen Tieren bei 3,5 bis 4 cm Gesamtlänge — das ist ein kleiner Fisch, kleiner als ein Neonsalmler wirkt er trotzdem nicht, weil er hochrückiger gebaut ist.

Männchen und Weibchen: der Blick auf die Fettflosse

Das ist der schönste Bestimmungstrick, den ich bei Salmlern kenne, weil er wirklich eindeutig ist.

Zwischen Rücken- und Schwanzflosse sitzt die kleine, strahlenlose Fettflosse. Bei dieser Art ist sie farblich markiert:

  • Männchen: Fettflosse violettblau, in derselben Farbe wie das Körperband. Insgesamt schlanker, das Blau reicht weiter über den Rücken.
  • Weibchen: Fettflosse orange bis rotbraun. Körper insgesamt rundlicher, der Blauton bräunlicher.

Bei halbwüchsigen Tieren im Laden ist das schon erkennbar, wenn du nah genug an die Scheibe gehst. Für eine Gruppe strebe ich ein leichtes Übergewicht an Weibchen an — die Männchen imponieren dann gegeneinander, ohne einzelne Weibchen dauerhaft zu bedrängen.

Wasserwerte und Beckengröße

Bei den Werten ist er toleranter, als die Schwarzwasser-Herkunft vermuten lässt. FishBase nennt pH 6,0–8,0 und 5–12 °dGH. In der Praxis fahre ich pH 6,5–7,2 bei 8 °dGH und habe damit nie Probleme gehabt. Wichtiger als der absolute Wert ist, dass er stabil bleibt.

Für die Zucht sieht es anders aus — dort brauchst du weiches Wasser unter 6 °dGH, sonst entwickeln sich die Eier nicht. Wer keine weiche Leitung hat, kommt um eine Osmoseanlage nicht herum. Für die reine Haltung ist sie nicht nötig.

Beckengröße: ab 80 cm Kantenlänge, rund 100 Liter. Er ist zwar klein, aber ein ausdauernder Schwimmer, der die Länge nutzt. In einem 60er hältst du ihn am Leben, aber der Schwarm zieht dort nicht — und ohne Schwarmbild fehlt genau das, wofür man die Art kauft. Rechne mit dem Volumen-Rechner nach, was dein Becken netto fasst.

Gruppengröße: mindestens zehn Tiere, besser fünfzehn. Das ist keine Empfehlung aus dem Lehrbuch. Ich habe mit acht angefangen und später aufgestockt — der Unterschied im Verhalten war deutlicher, als ich erwartet hatte.

Was diese Art wirklich braucht

  • Dunkler Bodengrund. Über dunklem Sand oder Soil leuchtet das Blau, über hellem Kies verschwindet es. Die günstigste und wirksamste Maßnahme überhaupt.
  • Huminstoffe. Seemandelbaumblätter oder Erlenzapfen, dauerhaft im Becken. Dazu unten mehr.
  • Gedämpftes Licht. Schwimmpflanzen an der Oberfläche brechen die Beleuchtung. Grelles Licht macht den Fisch blass und scheu.
  • Wurzeln und Randbepflanzung, Mitte frei. Deckung an den Seiten, Schwimmbahn in der Mitte.
  • Feines Futter. Das Maul ist klein — Standardflocken sind für ausgewachsene Tiere noch machbar, für Jungtiere zu grob.
  • Ruhige Filterung. Ein Innenfilter mit gebrochener Strömung genügt bei 100 Litern völlig.
Empfehlung *

Was bei mir läuft: JBL Catappa Seemandelbaumblätter* — zwei Blätter liegen bei mir dauerhaft im Becken und werden ersetzt, wenn sie zerfallen sind. Die Gerbstoffe färben das Wasser leicht bernsteinfarben, wirken keimhemmend und senken den pH sanft. Genau das Milieu, in dem der Blaustich auffällt. Ehrlicher Haken: Das Wasser bleibt nicht glasklar — wer kristallklares Aquascaping-Wasser will, muss sich zwischen Optik und Farbe entscheiden.

JBL
  • Gerbstoffe wirken keimhemmend — beugt Flossenfäule vor
  • Senkt den pH leicht, färbt das Wasser bernsteinfarben
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Fütterung

Unkompliziert. Er nimmt feines Flockenfutter, Granulat, Frost- und Lebendfutter. Für die Farbe lohnt es sich, Farbfutter in den Wechsel zu nehmen und einmal wöchentlich Frostfutter zu geben — Daphnien und Cyclops sind bei diesem Maul die richtige Größe, große schwarze Mückenlarven eher nicht.

Zwei kleine Portionen täglich reichen. Überfütterung ist bei kleinen Salmlern in dicht besetzten Becken der schnellste Weg zu Wasserproblemen; wie viel wirklich sinnvoll ist, steht im Guide zum richtigen Füttern.

Vergesellschaftung

Er ist friedlich, klein und drängt sich nirgends vor — ein guter Mitbewohner, solange er nicht als Futter endet.

Passt gut: Panzerwelse und Otocinclus als Bodencrew, Keilfleckbärblinge, Zwergbuntbarsche wie der Schmetterlingsbuntbarsch, andere ruhige Salmler wie der Schwarze Neon. Mit Amanogarnelen und ausgewachsenen Neocaridina gibt es keine Probleme.

Passt nicht: alles mit großem Maul. Ausgewachsene Skalare sehen einen 4-cm-Salmler als Abendessen, größere Buntbarsche ebenso. Auch raus: notorische Flossenzupfer wie die Sumatrabarbe und hektische Arten, die ihm am Futterplatz zuvorkommen.

Wie viele Tiere insgesamt hineinpassen, rechnest du im Besatz-Rechner durch.

Zucht

Anspruchsvoller als die Haltung, aber machbar — und deutlich einfacher als bei den meisten Schwarzwassersalmlern.

Du brauchst ein separates Becken ab 20 Litern, sehr weiches Wasser (unter 6 °dGH, pH um 6,0), abgedunkelt und mit dichtem Javamoos oder einem Laichrost. Ein gut konditioniertes Paar laicht meist in den ersten Morgenstunden ab, die Eier fallen frei zwischen die Pflanzen. Elterntiere danach sofort zurücksetzen, sie fressen das Gelege.

Die Larven schlüpfen nach etwa 36 Stunden und sind stark lichtempfindlich — Becken die erste Woche dunkel halten. Aufzucht mit Infusorien, ab Tag fünf bis sieben mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien. Im Gesellschaftsbecken kommt so gut wie nie ein Jungtier durch.

Für wen diese Art nichts ist

Wenn du ein helles, klares Becken mit weißem Sand und starker Beleuchtung führst, kauf dir keinen Blauen Königssalmler. Er wird darin gesund bleiben und trotzdem grau aussehen — und dann ärgerst du dich über einen Fisch, der nichts dafür kann.

Ebenso wenig passt er in ein Becken unter 80 cm, in eine Gruppe unter acht Tieren oder zu großen Buntbarschen. Und wer sofort knallige Farbe will, greift besser zum Roten von Rio — das Blau hier ist ein Schimmer, kein Signalton.

Die häufigsten Fehler beim Blauen Königssalmler

  1. Helles Becken, helles Licht. Der mit Abstand häufigste Grund für “der ist ja gar nicht blau”. Dunkler Boden und gedämpftes Licht lösen das an einem Nachmittag.
  2. Zu kleine Gruppe. Unter acht Tieren steht der Schwarm in der Ecke. Zehn sind Minimum, fünfzehn machen das Bild.
  3. Verwechslung mit dem Kaisersalmler. Zwei verschiedene Arten mit unterschiedlichem Platzbedarf. Beim Kauf auf Inpaichthys kerri bestehen.
  4. Zu große Mitbewohner. Ein 4-cm-Fisch ist Beutegröße für alles ab Skalar-Format.
  5. Zuchtversuch im Gesellschaftsbecken. Ohne separates Becken mit weichem Wasser kommt kein Jungtier durch. Das ist keine Frage des Glücks.

FAQ

Warum ist mein Blauer Königssalmler nicht blau?

Fast immer liegt es an heller Einrichtung und grellem Licht. Dunkler Bodengrund, Schwimmpflanzen zur Lichtdämpfung und Seemandelbaumblätter fürs bernsteinfarbene Wasser bringen die Farbe binnen weniger Tage.

Wie erkenne ich Männchen und Weibchen?

An der Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse: Beim Männchen ist sie violettblau, beim Weibchen orange bis rotbraun. Das ist bei dieser Art eindeutig.

Was ist der Unterschied zwischen Königssalmler und Kaisersalmler?

Zwei verschiedene Arten. Der Blaue Königssalmler ist Inpaichthys kerri und bleibt bei etwa 4 cm. Der Kaisersalmler ist Nematobrycon palmeri, wird rund 5,5 cm groß und hat einen dreispitzigen Schwanz.

Ist “Super Blue” eine eigene Art?

Nein. Es ist eine Zuchtauslese von Inpaichthys kerri auf kräftigere Blaufärbung. Haltung und Ansprüche sind identisch.

Wie groß muss das Becken sein?

Ab 80 cm Kantenlänge und rund 100 Litern für eine Gruppe von zehn Tieren. Kleinere Becken gehen zulasten des Schwarmverhaltens.

Brauchen Blaue Königssalmler weiches Wasser?

Für die Haltung nicht zwingend — bis 12 °dGH sind sie zufrieden. Für die Zucht ja: unter 6 °dGH, sonst entwickeln sich die Eier nicht.

Wie alt werden Blaue Königssalmler?

Drei bis fünf Jahre bei guter Pflege. Bei dauerhaft zu warmer Haltung über 28 °C deutlich weniger.


Salmler-Arten im Überblick · Brillantsalmler · Schwarzer Neon · Neonsalmler · Richtig füttern · Passendes 100-Liter-Becken

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