Das Aquarium ist eingefahren. Ammoniak 0, Nitrit 0, Nitrat steigt langsam. Jetzt kommt der spannendste Moment: die ersten Fische.
Und genau hier passiert der zweithäufigste Anfängerfehler — nach dem Überspringen der Einfahrphase: zu viele Fische auf einmal, die falsche Art, oder beides. Ein schlechter Erstbesatz kann Monate an Aufbauarbeit zunichtemachen.
Dieser Guide zeigt dir, welche Arten als erste gut funktionieren, wie viele du auf einmal einsetzen sollst und worauf du beim Kauf achten musst.
→ Erst lesen wenn das Becken bereit ist: Aquarium einfahren: Der komplette Wochenplan → Gesamtübersicht Fische: Aquarium Fische Guide: Besatz & Vergesellschaftung
Was einen guten Erstbesatz ausmacht
Nicht jeder schöne Fisch ist ein guter Erstbesatz. Kriterien:
Robustheit: Verträgt leichte Wasserwert-Schwankungen, die in frisch eingefahrenen Becken normal sind Friedlichkeit: Keine Revierbildung, keine Aggression gegen andere Arten oder sich selbst Normale Anforderungen: Gedeiht in normalem Leitungswasser (pH 7, GH 10–15 dH) Verfügbarkeit: Gut im Handel erhältlich, nicht aus Wildfang Gruppentauglichkeit: Hält sich in Schwärmen oder ist als Einzeltier haltbar
Die 7 besten Erstbesatz-Arten
1. Guppy (Poecilia reticulata)
Gruppe: 1 Männchen + 2–3 Weibchen | Becken: ab 54 Liter | Temp: 22–28 °C
Der klassische Einstiegsfisch und das aus gutem Grund. Guppys tolerieren ein breites Spektrum an Wasserparametern, sind lebhaft, farbenprächtig und zeigen interessantes Sozialverhalten. Sie vermehren sich leicht — was auf Dauer ein Problem werden kann (zu viel Nachwuchs). Klare Harem-Struktur einhalten: mehr Weibchen als Männchen reduziert Stress.
2. Platy (Xiphophorus maculatus)
Gruppe: 1 Männchen + 2–3 Weibchen | Becken: ab 54 Liter | Temp: 22–28 °C
Noch robuster als der Guppy. Platys kommen mit hartem Wasser gut zurecht, sind weniger aggressiv als Mollys und zeigen ein breites Farbspektrum. Ebenfalls lebendgebärend — Nachwuchs einplanen oder Verhältnis Männchen/Weibchen kontrollieren.
Ideal für Becken mit eher hartem Leitungswasser (GH über 15).
3. Neonsalmler (Paracheirodon innesi)
Gruppe: mindestens 10 Tiere | Becken: ab 60 Liter | Temp: 22–26 °C
Der berühmteste Schwarmfisch der Welt. Neonsalmler im Schwarm von 10–15 Tieren sind faszinierend — koordiniert, leuchtend, aktiv. Wichtig: weicheres Wasser bevorzugt (GH unter 15, pH 6,5–7,0). In sehr hartem Leitungswasser oft anfälliger für Krankheiten.
Alternative für hartes Wasser: Falscher Neon (Hyphessobrycon herbertaxelrodi) oder Schwarzer Neon (H. herbertaxelrodi).
4. Corydoras aeneus — Metallpanzerwels
Gruppe: mindestens 6 Tiere | Becken: ab 54 Liter | Temp: 22–26 °C
Die ideale Bodenzone-Ergänzung zu Schwarmfischen. Corydoras sind pflegeleicht, friedlich und nützlich (fressen Futterreste). Gruppen ab 6 Tieren halten die Herde zusammen — alleine halten sie sich versteckt.
Substratpflicht: feiner Quarzsand. Kies verletzt die Barteln.
5. Molly (Poecilia sphenops)
Gruppe: 1 Männchen + 2–3 Weibchen | Becken: ab 80 Liter | Temp: 24–28 °C
Großer, aktiver Fisch der Mittelzone. Mollys mögen hartes, mineralreiches Wasser und sind bekannt dafür, Algen zu fressen — besonders Blaualgen. Ein Hauch Salz im Wasser (1 Teelöffel pro 10 Liter) kommt ihnen zugute, ist aber für viele Pflanzen und Garnelen problematisch.
Für reine Fischbecken mit hartem Leitungswasser: exzellent.
6. Weißrücken-Fadenfisch / Blauer Fadenfisch (Trichogaster trichopterus)
Gruppe: 1 Männchen, 1–2 Weibchen | Becken: ab 80 Liter | Temp: 22–28 °C
Labyrinthfisch, der atmosphärische Luft atmen kann. Braucht daher Zugang zur Wasseroberfläche. Generell friedlich, aber Männchen können territorial werden. Gute Wahl wenn du eine ruhige, etwas langsamere Fischart als Centerpiece möchtest.
7. Otocinclus affinis — Zwergwels
Gruppe: mindestens 6 Tiere | Becken: ab 60 Liter (eingefahren!) | Temp: 22–26 °C
Der beste Algenfresser für Pflanzen-Becken. Otocinclus raspeln Kieselalgen und weiche Grünbeläge von Pflanzenblättern und Scheiben. Wichtig: Sie brauchen ein bereits gut eingefahrenes Becken mit stabiler Biologie. In einem frischen Becken verhungern sie — es gibt noch keinen Biofilm für sie.
Als Ergänzung nach 2–3 Monaten: perfekt. Als Erstbesatz in Woche 6: zu riskant.
Was du beim Kauf beachten musst
Nur gesunde Tiere kaufen
Klingt offensichtlich, wird aber oft ignoriert. Zeichen für gesunde Fische:
- Aufgestellte Flossen (nicht eingezogen)
- Aktives Schwimmverhalten
- Keine weißen Punkte oder Flecken (Ichthyo)
- Klare, nicht eingefallene Augen
- Kein Scheuern an Gegenständen
Wenn auch nur ein Tier im Becken des Händlers krank aussieht: nicht kaufen, auch wenn “die anderen gesund sind”.
Quarantäne — immer
Neue Fische direkt ins Hauptbecken setzen ist das größte Risiko für ein bestehendes System. Ein einfaches 20-Liter-Quarantänebecken mit Heizer und Schwammfilter kostet 30–50 €. Dauer: 4 Wochen Beobachtung.
Empfehlung: JBL Ektol bac Plus* — Breitbandmittel für bakterielle Infektionen. In der Quarantäne-Apotheke bereithalten — bei ersten Symptomen sofort handeln.
Eingewöhnung machen
Beutel 15–20 Minuten schwimmen lassen (Temperaturanpassung). Dann löffelweise Beckenwasser in den Beutel geben (alle 5 Minuten ein Löffel, 3–4 Mal). Fisch mit einem kleinen Netz übertragen — Beutelwasser nicht ins Becken kippen.
Wie viele Fische beim Start — und wie vorgehen
Nie den Gesamtbesatz auf einmal einsetzen.
Der Stickstoffkreislauf ist nach dem Einfahren auf eine bestimmte Ammoniaklast ausgelegt. Wenn du plötzlich 30 Fische einsetzt, überlastet das die Bakterienpopulation. Ammoniak und Nitrit können kurz ansteigen.
Empfohlene Vorgehensweise:
- Woche 1: Erste kleine Gruppe (6–10 Tiere)
- Woche 2–3: NH₃ und NO₂ messen — wenn stabil bei 0, nächste Gruppe
- Woche 4+: Weiteren Besatz einsetzen bis zur geplanten Endbelegung
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ich Fische direkt nach dem Einfahren einsetzen?
Ja — aber erst wenn NH₃ und NO₂ mindestens 3 Tage bei 0 sind. Und dann die erste kleine Gruppe, nicht alles auf einmal.
Meine Fische fressen nicht am ersten Tag — ist das normal?
Ja. Stress durch Transport und neue Umgebung unterdrückt den Appetit. 1–2 Tage warten ist normal. Wenn sie nach 3 Tagen noch nicht fressen: Wasserparameter messen und auf Krankheitssymptome prüfen.
Wie lange dauert Quarantäne?
Mindestens 4 Wochen. Ichthyo-Zysten können bei 18 °C über 10 Tage ohne Wirt überleben. Weniger als 4 Wochen gibt keine Sicherheit.
Kann ich Fisch und Garnelen zusammen als Erstbesatz?
Nur wenn die Fischart garantiert garnelensicher ist (Boraras brigittae, Ember-Salmler, kleine Corydoras). Guppys und Platys fressen Garnelen-Jungtiere zuverlässig.
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