Es fängt harmlos an. Zuerst ein paar grüne Fäden an einem Stein. Eine Woche später wickeln sie sich um alles — Pflanzen, Filterrohr, die Wurzel, die du gerade noch schön positioniert hattest. Alles überzogen mit einem wolligen, grünen Netz.
Kurz gesagt: Fadenalgen sind fast immer ein Nitratmangel bei gleichzeitig zu viel Licht. Das klingt verkehrt herum — “zu wenig Nährstoffe” klingt nach etwas Gutem —, ist aber der Kern der Sache. Behebst du das, verschwinden sie. Wischt du nur, sind sie in einer Woche zurück.
Bist du dir nicht sicher, ob du wirklich Fadenalgen hast? Graue, geweihartig verzweigte Fäden sind Bartalgen und brauchen eine andere Antwort. → Algenart sicher bestimmen
Welche Fadenalgen gibt es — und macht das einen Unterschied?
“Fadenalgen” ist kein biologisch sauberer Begriff, sondern ein Sammelname für mehrere Arten, die fädig wachsen. Für die Bekämpfung zählt vor allem eine Unterscheidung: weich oder hart.
| Art | Wie sie sich anfühlt | Aufwickelbar? | Amano frisst sie? |
|---|---|---|---|
| Spirogyra | Weich, glitschig, seifig zwischen den Fingern | Ja, sehr gut | Ja, zuverlässig |
| Oedogonium | Kurz, pelzig, wie grüner Flaum auf Blättern | Schlecht | Ja |
| Cladophora | Rau, fest, riecht leicht erdig | Kaum | Nein |
| Pithophora | Grob, drahtig, sehr zäh | Kaum | Nein |
Der Fingertest entscheidet über deinen Aufwand: Glitschig und weich heißt, du bist in ein bis zwei Wochen durch. Rau und fest heißt Cladophora — dafür gibt es weiter unten einen eigenen Abschnitt, weil die Standardmittel dort nicht greifen.
Graue, verzweigte Fäden gehören übrigens gar nicht hierher. Das sind Bartalgen (Staghorn) aus der Rotalgen-Familie, und die reagieren auf CO₂ statt auf Nitrat. → Pinselalgen und Bartalgen bekämpfen
Die Ursache: Warum Fadenalgen jetzt wachsen
Fadenalgen wachsen, wenn Stickstoff knapp ist, während Licht im Überfluss vorhanden ist. Sie können Stickstoff effizienter aus dem Wasser ziehen als höhere Pflanzen. Während deine Pflanzen ins Stocken geraten, wachsen Fadenalgen munter weiter — sie gewinnen den Mangel-Wettbewerb.
Typische Auslöser, in der Reihenfolge, in der ich sie am häufigsten sehe:
- Einfahrphase: Nitrat ist noch nicht aufgebaut, das Licht brennt aber schon auf voller Stufe.
- Nach einem sehr großen Wasserwechsel: Nährstoff-Reset, der die Pflanzen trifft und die Algen nicht.
- Zu lange Beleuchtung: Über 8 Stunden bei mäßigem Pflanzenbestand ist ein offener Einladungsbrief.
- Sonnenlicht durchs Fenster: Im Sommer mehrere Stunden unkontrolliertes Zusatzlicht. Kippt jedes Gleichgewicht. → Der richtige Standort
- Neue Pflanzen aus dem Handel: Sporen reisen mit. Dazu unten mehr.
Schritt 1: Messen statt raten
Bevor du irgendetwas änderst, hol die Werte. Ohne Zahlen düngst du ins Blaue.
NO₃ (Nitrat): Zielwert 10–25 mg/l im bepflanzten Becken. Unter 5 mg/l hast du deinen Täter gefunden.
PO₄ (Phosphat): Zielwert 0,1–0,5 mg/l. Steht Phosphat ebenfalls auf null, hast du einen generellen Mangel und nicht nur ein Stickstoffproblem.
Lichtdauer: Mit der Uhr, nicht mit dem Gefühl. Über 8 Stunden ist in den meisten Becken zu lang.
CO₂: Drop Checker grün heißt in Ordnung, blau heißt Mangel — und Mangel kostet dich Pflanzenwachstum, also deine wichtigste Waffe.
Schritt 2: Die Ursache abstellen
Nitrat anheben, wenn es zu niedrig ist
Liegt Nitrat unter 5 mg/l, düngst du gezielt nach. Das fühlt sich für Einsteiger falsch an — man düngt schließlich nicht mitten in eine Algenplage hinein. Doch: Genau das ist der Hebel. Du fütterst nicht die Algen, du fütterst ihre Konkurrenz.
Empfehlung *Empfehlung: Aqua Rebell Makro Basic NO3* — Reiner Nitratdünger ohne Phosphat-Beifang, damit du gezielt den einen Wert anhebst, statt alles gleichzeitig zu verschieben. Ehrlicher Haken: Du musst wirklich messen, sonst schießt du übers Ziel hinaus — blind dosieren macht es schlimmer.
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In der Einfahrphase ist niedriges Nitrat normal. Hier hilft etwas mehr Geduld und moderate Fütterung oft mehr als jede Flasche.
Lichtdauer kürzen
Runter auf 6–7 Stunden am Stück. Pflanzen brauchen keine langen Lichttage, sie wollen intensives Licht in einem kompakten Fenster.
In akuten Phasen funktioniert der Siesta-Modus gut: vier Stunden Licht, drei Stunden Pause, drei Stunden Licht. Algen kommen mit der Unterbrechung schlechter klar als Pflanzen. Ob deine Beleuchtung generell überdimensioniert ist, prüfst du im Beleuchtungs-Rechner.
CO₂ stabilisieren
Schwankendes CO₂ bremst Pflanzen und gibt Algen freie Bahn. → CO₂-Anlage richtig einstellen
Schritt 3: Mechanisch abräumen
Der Holzstab-Trick: Einen rauen Holz- oder Bambusstab in die Fäden halten und langsam drehen. Sie wickeln sich auf wie Spaghetti. Bei weichen Arten holst du so in fünf Minuten erstaunliche Mengen raus. Eine alte Zahnbürste tut es zur Not auch.
Beim Wasserwechsel absaugen: Losgelöste Fäden schweben. Schlauch direkt reinhalten und die groben Massen mit rausziehen.
Befallene Blätter abschneiden: Ein Blatt, das komplett zugewachsen ist, erholt sich nicht mehr. Weg damit — das entzieht dem System Biomasse und sieht sofort besser aus.
Mechanisch allein ist Sisyphusarbeit. Aber in Kombination mit Schritt 2 verkürzt es die Plage deutlich, weil du die Startmenge drückst.
Schritt 4: Amano-Garnelen einsetzen
Die Amano-Garnele (Caridina multidentata) ist das effektivste biologische Mittel gegen weiche Fadenalgen. Nicht gegen alle Algen — gegen diese eine Gruppe sind sie unschlagbar.
Die Dosis entscheidet. Fünf Stück im 100-Liter-Becken merkst du nicht. Als grobe Richtschnur rechne ich mit einer Amano pro 5 Liter bei akutem Befall — im 100er also rund 20 Tiere. Danach kannst du auf Erhaltungsbesatz zurückgehen.
Empfehlung *Empfehlung: Amano-Garnelen (10er Set)* — Nimm mindestens zwei Sets, die Wirkung skaliert praktisch linear mit der Stückzahl. Ehrlicher Haken: Sie sind empfindlich gegen Kupfer (steckt in vielen Fischmedikamenten) und gegen Glutaraldehyd — wer im selben Becken punktuell gegen Pinselalgen behandelt, riskiert sie.
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Ein Punkt, den viele übersehen: Amanos fressen Fadenalgen nur, solange sie nichts Bequemeres bekommen. Wer täglich üppig Fischfutter gibt, hat satte Garnelen und weiterhin Algen. Während der Kur die Fütterung zurückfahren.
Welches Tier gegen welche Alge hilft, steht komplett im Algenfresser-Vergleich.
Spezialfall Cladophora — die harte Nummer
Cladophora ist die Fadenalge, bei der die Standardstrategie versagt. Rau, fest, haftet wie Pinselalgen und lässt sich kaum aufwickeln. Amanos rühren sie nicht an. Erkennungsmerkmal neben der Haptik: ein leicht erdiger Geruch, wenn du eine Probe zwischen den Fingern zerreibst.
So gehst du vor:
- Befallene Pflanzen oder Hardscape-Teile aus dem Becken nehmen.
- Außerhalb des Beckens mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid behandeln: rund 1 ml pro Liter Wasser in einer Schüssel, 5 Minuten einwirken lassen, danach gründlich abspülen.
- Erst zurücksetzen, wenn Licht und CO₂ korrigiert sind — sonst kommt sie wieder.
Stark befallene Pflanzen wirfst du besser weg. Ich hab’ mal versucht, eine komplett durchsetzte Vallisnerie zu retten, und damit den Befall zwei Monate lang künstlich am Leben gehalten. Neu kaufen kostet drei Euro und spart einen Sommer.
Wichtig: Wasserstoffperoxid gehört nur in die Schüssel, nicht großflächig ins besetzte Becken. Und niemals bei Garnelen im Becken großzügig dosieren.
Wie lange dauert es?
Realistische Erwartung, damit du nicht nach fünf Tagen ungeduldig alles über den Haufen wirfst:
| Zeitpunkt | Was passiert |
|---|---|
| Tag 1–3 | Nach Korrektur von Licht und Nitrat noch keine sichtbare Änderung. Normal. |
| Tag 4–10 | Vorhandene Fäden werden blasser und brüchiger, Neuwuchs stoppt. |
| Woche 2–3 | Amanos räumen die Reste ab, Pflanzen wachsen sichtbar an. |
| Woche 4+ | Stabile Lage. Kommt jetzt noch was nach, stimmt eine Ursache noch nicht. |
Fadenalgen im Garnelenbecken
Im reinen Garnelenbecken ist die Lage etwas anders: Du hast meist wenig Fischbesatz, also kaum Nitrateintrag — genau die Bedingung, unter der Fadenalgen gedeihen. Hier ist Aufdüngen fast immer richtig, nur vorsichtiger dosiert.
Finger weg von Algenmitteln und Glutaraldehyd, solange Zwerggarnelen drin sind. Und Kupfer ist in jeder Form tabu. Die sicherste Kombination ist: Licht kürzen, moderat Nitrat aufdüngen, mechanisch abräumen, Geduld. → Garnelenbecken einrichten
Empfehlung *Empfehlung: Sera Quick Test (50er)* — Bevor du an Fadenalgen “kämpfst”: Messen, nicht raten. Nitrat/Phosphat-Werte sagen dir, ob du über- oder unterfütterst, ob der Filter überlastet ist. Der erste Check sollte immer ein Test sein.
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Die häufigsten Fehler
- Nur mechanisch entfernen. Ohne Ursachenkorrektur ist in einer Woche alles zurück.
- Licht komplett ausschalten. Die Dunkelkur hilft gegen Blaualgen, nicht gegen Fadenalgen — deine Pflanzen leiden mit und verlieren den Konkurrenzkampf.
- Panik-Wasserwechsel. Große Wechsel senken Nitrat weiter und verschärfen genau den Mangel, der die Algen füttert. Der Wasserwechsel-Rechner zeigt dir, was ein ruhiger Rhythmus über den Monat gerechnet ausmacht.
- Zu wenige Amanos. Fünf Stück im 100er sind Deko, keine Maßnahme.
- Algenmittel als erster Griff. Schädigt Pflanzen, Filterbiologie und Garnelen — und lässt die Ursache unberührt.
Häufige Fragen (FAQ)
Sind Fadenalgen gefährlich für Fische?
Nein. Fadenalgen sind für Fische und Wirbellose ungefährlich. Der eigentliche Schaden entsteht indirekt: Bei starkem Befall begraben sie Pflanzen und nehmen ihnen das Licht.
Wie schnell wachsen Fadenalgen?
Unter guten Bedingungen verdoppeln sie ihre Masse innerhalb weniger Tage. Wer zwei Wochen zusieht, hat deutlich mehr Arbeit als wer sofort reagiert.
Fressen Guppys oder Welse Fadenalgen?
Kaum. Guppys knabbern gelegentlich, Antennenwelse gehen eher an Grünbelag. Zuverlässig sind nur Amano-Garnelen — und die auch nur bei den weichen Arten.
Warum helfen Wasserwechsel manchmal nicht?
Weil sehr große Wechsel das ohnehin knappe Nitrat weiter verdünnen und den Mangel verschärfen. Regelmäßige 30 % sind hier besser als seltene 70 %.
Kommen Fadenalgen aus neuen Pflanzen?
Häufig sogar. Neue Pflanzen schleppen Sporen ein. Wer auf Nummer sicher gehen will, wässert sie vorher separat und spült sie kurz in stark verdünnter Wasserstoffperoxid-Lösung ab. In-vitro-Pflanzen aus dem Becher sind steril und damit die sicherste Variante.
Hilft flüssiges CO₂ gegen Fadenalgen?
Nur begrenzt. Glutaraldehyd wirkt gut gegen Rotalgen, gegen weiche Fadenalgen eher mäßig — und im Garnelenbecken ist es riskant. Die Nitrat-Licht-Korrektur bringt hier deutlich mehr.
Kann ich Fadenalgen einfach abhungern lassen?
Nein, das ist der klassische Denkfehler. Nährstoffe auf null zu fahren trifft die Pflanzen härter als die Algen, weil Algen mit Mangel besser umgehen können. Du machst die Sache damit schlimmer.
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