Guppy-Arten & Farben: Schwanzformen im Überblick
Guppy-Arten & Farben: Schwanzformen im Überblick
Fische

Guppy-Arten & Farben:
Schwanzformen im Überblick

17. Juni 2026 7 Min. Lesezeit Von Sabrina Koch

“Was ist denn das für eine Art?” — die Frage bekomme ich ständig, wenn jemand ein Foto von seinem Guppy schickt. Die ehrliche Antwort: meistens keine eigene Art, sondern eine Farb- und Flossenform von Poecilia reticulata. Beim Guppy gibt es genau eine Art im Handel — aber unzählige Zuchtformen, und die Namen sind ein einziges Durcheinander.

Lass mich Ordnung reinbringen. Ich habe in den letzten Jahren Cobras, Tuxedos, Half Blacks und allerhand Schleier durch meine Becken gehen lassen — und dabei gelernt, dass die schönsten Linien oft die heikelsten sind.

Eine Art, tausend Gesichter

Fast alle bunten Guppys im Laden sind Hochzuchtformen derselben Art. Unterschieden werden sie nach drei Merkmalen: Schwanzform, Farbschlag und Musterung. Daneben gibt es noch den Endler-Guppy, der tatsächlich eine eigene (Unter-)Art ist — dazu unten mehr.

Die Wildform sieht übrigens unspektakulär aus: graue Weibchen, kleine Männchen mit ein paar Farbtupfern. Alles, was du an knalligen Schleierschwänzen kennst, ist das Ergebnis von Jahrzehnten gezielter Selektion.

Die wichtigsten Schwanzformen

Die Schwanzflosse ist das auffälligste Zuchtmerkmal. Diese Formen begegnen dir im Handel am häufigsten:

SchwanzformAussehenBemerkung
Triangel (Delta)großes DreieckKlassiker, sehr verbreitet
Schleier (Veiltail)langer, fahnenartiger Schwanzwunderschön, aber empfindlich
Fächer (Fantail)breit aufgefächertrobust, gute Einsteigerwahl
Schwert (Sword)Spitze oben/unten/beidseitigelegant, näher an der Wildform
Rundschwanz (Round)kleiner runder Schwanznah am Endler, sehr robust

Mein Rat für Einsteiger: Finger weg von den extremsten Schleierformen. Je länger und dünner die Flosse, desto anfälliger für Flossenfäule und desto schlechter schwimmt das Tier. Die ganz langen Schleier sind eine Belastung für den Fisch — ein Punkt, über den im Laden niemand spricht. Robuster und genauso schön sind Fächer- und Schwertformen.

Farbschläge & Muster

Bei den Farben wird es endgültig wild. Ein paar Namen, die du kennen solltest:

  • Cobra: netzartiges Muster über den ganzen Körper
  • Tuxedo: hintere Körperhälfte dunkel (“im Smoking”)
  • Half Black: ganze hintere Hälfte tiefschwarz
  • Cobra / Snakeskin: feines Schlangenhaut-Muster
  • Albino: rote Augen, helle Färbung — oft empfindlicher
  • Moscow / Full Red / Blue: einfarbig durchgezüchtet

Ein ehrlicher Hinweis: Die Farben siehst du fast nur bei den Männchen. Weibchen sind größer, aber deutlich schlichter gefärbt — das ist normal und keine “schlechte Qualität”.

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Der Endler-Guppy — die robuste Alternative

Der Endler-Guppy (Poecilia wingei) ist die kleine, wildere Verwandtschaft. Männchen werden nur 2–3 cm, tragen aber leuchtende neon-grüne und orange Flecken. Endler sind robuster als Hochzuchtguppys, kommen mit etwas weicherem Wasser klar und sind perfekt fürs Nano-Becken.

Ein Haken: Endler und normale Guppys kreuzen sich problemlos. Wer reine Endler-Linien erhalten will, darf beide nie zusammen halten — sonst hast du in zwei Generationen Mischlinge. In meiner Anlage stehen die strikt getrennt.

Welche Farben vererben sich?

Kurz für alle, die mit Zucht liebäugeln: Die Farbe des Männchens vererbt sich überwiegend über das Y-Chromosom, also vom Vater auf die Söhne. Willst du eine bestimmte Linie erhalten, brauchst du reinerbige Elterntiere und Geduld. Mehr dazu im Nachwuchs-Artikel. Für die meisten reicht es zu wissen: Kaufst du bunt gemischt, wird der Nachwuchs eine Wundertüte.

Gesunde Guppys im Laden erkennen

Bevor du dich in eine Farbform verliebst — die wichtigste Kaufberatung überhaupt:

  • Flossen voll aufgespannt, keine zusammengeklebten oder ausgefransten Schwänze
  • Kein weißer Belag, keine Punkte, keine entzündeten Stellen
  • Aktives Schwimmen, nicht apathisch in der Ecke oder am Boden “schaukelnd”
  • Voller Bauch, aber kein aufgeblähter oder eingefallener Körper
  • Klare Augen, kein Glubschauge oder Trübung

Und ein Profi-Trick: Frag, wie lange die Tiere schon im Laden sind. Frisch importierte Guppys aus der Massenfarm sind die ersten zwei Wochen am anfälligsten. Wer Tiere nimmt, die schon zwei, drei Wochen eingewöhnt sind, hat die kritische Phase übersprungen. Was du nach dem Kauf brauchst, steht im Guppy-Becken-Ratgeber.

Häufige Fragen zu Guppy-Arten

Wie viele Guppy-Arten gibt es? Im Handel im Grunde eine Art (Poecilia reticulata) plus den Endler-Guppy (Poecilia wingei). Die hunderten “Sorten” sind Farb- und Flossenformen derselben Art.

Welche Guppys sind am robustesten? Kurzflossige Formen wie Fächer- oder Rundschwanz und vor allem Endler-Guppys. Die extremen Langschleier sind am anfälligsten für Flossenfäule.

Warum sind weibliche Guppys nicht bunt? Das ist natürlich — in freier Wildbahn schützt die schlichte Färbung die Weibchen vor Fressfeinden. Die Farbpracht ist ein reines Männchen-Merkmal.

Sind Albino-Guppys empfindlicher? Tendenziell ja. Albinos haben oft ein schwächeres Immunsystem und schlechtere Augen. Für den Einstieg lieber zu kräftig gefärbten Standardformen greifen.


Lass dich nicht von den Namen verrückt machen. Wähl eine robuste Schwanzform, kauf gesunde Tiere — und genieß die Show, die dir vor allem die Männchen liefern.

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