Der häufigste Satz, den ich im Zoohandel mithöre: “Ein paar Guppys für das kleine Becken meiner Tochter.” Und mit “klein” sind dann zehn Liter gemeint. Drei Wochen später ruft die Mutter beim Händler an, weil die Fische sterben — und keiner versteht, warum.
Das Guppy-Becken entscheidet über fast alles: wie stabil deine Werte sind, wie viele Tiere du halten kannst, und ob aus zehn Guppys in drei Monaten nicht plötzlich hundert werden. Lass uns das einmal ehrlich durchgehen — ich habe in der Zuchtanlage jede Beckengröße durch, vom 12-Liter-Würfel bis zum 200-Liter-Gesellschaftsbecken.
Wie groß muss ein Guppy-Becken sein?
Vergiss die Nano-Würfel und Goldfischgläser aus der Werbung. Guppys sind klein, aber lebhaft und vor allem vermehrungsfreudig — und je weniger Wasser im Becken steht, desto schneller kippen dir Temperatur und Nitrat weg. Ein kleines Becken ist nicht einfacher, sondern schwerer zu pflegen.
| Beckengröße | Eignung |
|---|---|
| unter 30 L | ungeeignet — Werte kippen, kein Puffer für Nachwuchs |
| 54 L | absolutes Minimum für eine kleine Gruppe |
| ab 60 – 70 L | ideal: stabil, genug Platz für 1♂ + mehrere ♀ plus Jungtiere |
| ab 100 L | super — entspanntes Gesellschaftsbecken mit Beifischen |
Mein klarer Rat: plane ab 60 Liter. In meiner Zuchtanlage steht eine Guppy-Gruppe im 54er und eine im 112er. Im 54er muss ich zweimal die Woche ran, sonst schießt das Nitrat hoch, sobald die ersten Würfe da sind. Im großen Becken läuft das fast von allein. Mehr Wasser verzeiht dir schlicht mehr Fehler.
Empfehlung: Juwel Primo 70* — 70 Liter mit Filter, Heizer und Abdeckung im Set. Genau die Größe, in der Guppy-Werte stabil bleiben und du nicht jeden zweiten Tag eingreifen musst. Das ist das Becken, das ich Einsteigern in die Hand drücke. Aktuellen Preis bei Amazon prüfen →
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Wie viele Guppys passen ins Becken?
Die Faustformel “ein Zentimeter Fisch pro Liter” ist Quatsch, aber als grobe Bremse brauchbar. Wichtiger ist das Geschlechterverhältnis — und das ist bei Guppys keine Geschmacksfrage, sondern Tierschutz.
Männchen balzen pausenlos. Setzt du ein Männchen mit einem einzelnen Weibchen, jagt es die Arme zu Tode. Sie hört auf zu fressen, versteckt sich, ist nach Wochen tot. Die Lösung ist immer dieselbe: ein Männchen auf mindestens zwei bis drei Weibchen, damit sich der Stress verteilt.
Für ein 60- bis 70-Liter-Becken heißt das konkret:
- Reine Männchengruppe: 6–8 Männchen — kein Nachwuchs, dafür volle Farbe und Dauerbewegung. Mein Favorit für Einsteiger.
- Zuchtgruppe: 2 Männchen + 5–6 Weibchen — aber rechne mit Nachwuchs-Lawine (was du dann tust).
Wer keinen Bock auf hunderte Jungfische hat, fährt mit einer reinen Männchengruppe am entspanntesten. Sieht spektakulär aus und du musst nie wieder über Geschlechter nachdenken.
Der Heizer ist Pflicht
Guppys sind Tropenfische und wollen konstant 24 bis 28 °C. “Zimmertemperatur reicht schon” höre ich oft — stimmt im Sommer vielleicht, aber im Winter fällt das Becken nachts auf 19 °C, und dann steht die Pilzinfektion vor der Tür. Schwankende Temperatur ist Stress, und Stress macht Guppys krank.
Für 60 bis 70 Liter reichen 50 bis 75 Watt Regelheizer. Wie du die Wattzahl für andere Größen ausrechnest, steht im Heizer-Watt-Ratgeber.
Filter & Strömung
Anders als der Kampffisch verträgt der Guppy ruhig etwas Strömung — in der Natur lebt er auch in fließenden Bächen. Ein normaler Innen- oder kleiner Außenfilter passt gut. Übertreib es nur nicht: Die langflossigen Hochzucht-Männchen kämpfen sonst gegen den Auslauf an und ermüden. Richte die Strömung so ein, dass sich die Pflanzen sanft wiegen, nicht peitschen.
Wichtig für Jungfische: Filtereinlauf mit einem feinen Schwamm oder Strumpf sichern. Sonst saugt dir der Filter die frisch geborenen Babys weg — ein Klassiker, den ich in der Anfangszeit selbst erlebt habe.
Wasserhärte — der Punkt, an dem die meisten scheitern
Hier kommt der wichtigste Absatz dieses Artikels: Guppys aus asiatischer Hochzucht brauchen hartes, leicht alkalisches Wasser (GH 15+, pH 7,5–8,0). In weichem deutschem Leitungswasser werden sie krank und sterben — oft erst nach ein paar Wochen, weshalb kaum jemand den Zusammenhang erkennt.
Bevor du Guppys einsetzt: miss deine Wasserhärte. Ist das Wasser zu weich (unter GH 10), härtest du mit einem Mineralsalz auf. Das ist kein Luxus, das ist die Lebensversicherung deiner Tiere.
Empfehlung: sera Mineral Salt* — härtet weiches Leitungswasser kontrolliert auf und beugt dem osmotischen Schock vor, an dem die meisten Neu-Guppys in den ersten 48 Stunden sterben. Preis prüfen →
sera
- Härtet weiches Leitungswasser kontrolliert auf
- Hebt GH und KH — Pflicht für asiatische Hochzuchtguppys
- Beugt osmotischem Schock und Pilz vor
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Den passenden GH/KH-Test brauchst du sowieso: JBL GH/KH-Test* zeigt dir per Tröpfchen, woran du bist — genauer als jeder Streifen.
Bodengrund, Pflanzen & Einrichtung
Guppys sind nicht wählerisch beim Bodengrund — Kies oder Sand, beides geht. Dunkler Grund lässt die Farben kräftiger wirken. Worauf es wirklich ankommt, sind Pflanzen:
- Dichte Bepflanzung am Rand und hinten gibt scheuen Weibchen Deckung
- Schwimmpflanzen (Hornkraut, Wasserlinsen) sind das beste Versteck für Jungfische — und dämpfen das Licht
- Freier Schwimmraum in der Mitte für die lebhaften Männchen
Wer gezielt Nachwuchs durchbringen will, baut ein dichtes Moos- oder Hornkraut-Polster ein. Ich verliere im bepflanzten Becken trotzdem die meisten Babys an die Eltern — wenn du ernsthaft züchten willst, führt am Ablaichkasten oder Aufzuchtbecken kein Weg vorbei.
Was dein Guppy-Becken wirklich braucht
Die Kurzliste zum Abhaken:
- Becken ab 60 Liter, abgedeckt → Juwel Primo 70
- Regelheizer 50–75 W für konstante 24–28 °C
- GH/KH-Test + ggf. Mineralsalz → Test · Aufhärtesalz
- Filter mit gesichertem Einlauf, gedrosselte Strömung
- Dichte Bepflanzung + Schwimmpflanzen als Jungfisch-Versteck
Häufige Fragen zum Guppy-Becken
Reichen 30 Liter für Guppys? Als absolutes Notbehelf-Minimum für 2–3 Männchen mit sehr häufigem Wasserwechsel — aber komfortabel und stabil wird es erst ab 54, besser 60 Litern. In zu kleinen Becken kippen die Werte, sobald der erste Nachwuchs da ist.
Wie viele Guppys auf 60 Liter? Eine reine Männchengruppe von 6–8 Tieren, oder eine Zuchtgruppe aus 2 Männchen und 5–6 Weibchen. Bei der Zuchtgruppe musst du den Nachwuchs einplanen.
Brauchen Guppys einen Heizer? Ja. Konstant 24–28 °C sind Pflicht. Ohne Heizer fällt die Temperatur nachts und im Winter ab — das schwächt das Immunsystem und führt zu Pilz und Flossenfäule.
Welches Wasser brauchen Guppys? Hartes, leicht alkalisches Wasser (GH 15+, pH 7,5–8,0). Miss deine Härte vor dem Kauf — ist sie zu niedrig, härte mit Mineralsalz auf.
Mach das Becken groß genug, halt es warm und prüf vor allem deine Wasserhärte — dann hast du das meiste richtig gemacht. Der Rest ist Bepflanzung und Geschmack.
Weiterlesen im Guppy-Cluster:
- Guppy richtig halten: der große Steckbrief
- Wer passt zu Guppys? Vergesellschaftung
- Guppy-Nachwuchs: Was tun mit den Jungen?

