Der Anruf kommt fast immer gleich: “Meine Guppys waren zwei Wochen top, jetzt sterben sie einer nach dem anderen.” Und fast immer ist die Ursache dieselbe — nicht eine geheimnisvolle Seuche, sondern falsches Wasser. Beim Guppy ist die häufigste Todesursache kein Erreger, sondern zu weiches Leitungswasser, das das Immunsystem über Wochen zermürbt.
Ich habe in der Zuchtanlage so ziemlich jede Guppy-Krankheit gesehen und behandelt. Die gute Nachricht: Erkennst du früh, was los ist, lässt sich das meiste retten. Hier ist der ehrliche Überblick.
Die wahre Ursache: Wasser, nicht Erreger
Bevor wir über einzelne Krankheiten reden — der wichtigste Satz: Hochzuchtguppys aus asiatischen Farmen brauchen hartes, alkalisches Wasser (GH 15+, pH 7,5–8,0). Setzt du sie in weiches Wasser, geraten sie in osmotischen Dauerstress. Das Immunsystem bricht ein, und dann schlagen Pilz und Bakterien zu, die ein gesunder Fisch locker wegsteckt.
Heißt konkret: Bevor du zur Medizin greifst, miss deine Wasserwerte. Stimmen Härte, pH und vor allem die Nitrit-/Nitratwerte nicht, behandelst du sonst ewig gegen Symptome an.
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Die häufigsten Guppy-Krankheiten im Überblick
| Krankheit | Erkennungszeichen | Häufige Ursache |
|---|---|---|
| Pilz (Verpilzung) | weiße, watteartige Beläge | weiches Wasser, Verletzung, Stress |
| Flossenfäule | ausgefranste, rötliche Flossenränder | schlechte Wasserwerte, Bakterien |
| Pünktchenkrankheit (Ichthyo) | weiße Punkte wie Grießkörner | Temperaturschwankung, Neuzugang |
| Schwimmblasen-Problem | Tier kippt, treibt, kommt nicht runter/hoch | Überfütterung, Kälte |
| Kümmern / Auszehrung | eingefallener Bauch trotz Fressen | innere Parasiten, Massenfarm-Schwäche |
Pilz und Flossenfäule
Die zwei häufigsten Guppy-Leiden — und meistens treten sie zusammen auf, weil beide aus demselben Problem entstehen: geschwächte Tiere in suboptimalem Wasser. Pilz zeigt sich als watteartiger weißer Belag, Flossenfäule als ausgefranste, oft rötlich entzündete Flossenränder.
Erste Maßnahme ist immer: großer Wasserwechsel, Werte prüfen, Temperatur stabil halten. In leichten Fällen reicht das schon. Greift es weiter um sich, behandelst du mit einem Breitband-Medikament gegen bakterielle Infektionen.
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Pünktchenkrankheit (Ichthyo)
Die kleinen weißen Punkte wie aufgestreute Grießkörner sind ein Parasit, der oft mit Neuzugängen oder nach einem Temperatursturz auftaucht. Ichthyo ist hochansteckend — hier musst du schnell sein. Temperatur vorsichtig anheben und ein spezifisches Ichthyo-Mittel einsetzen. Behandle immer das ganze Becken, nie nur den sichtbar befallenen Fisch.
Schwimmblasen-Probleme
Der Guppy kippt zur Seite, treibt an die Oberfläche oder kommt nicht vom Boden hoch. Meistens steckt Überfütterung oder zu kaltes Wasser dahinter, seltener ein angeborener Defekt. Ein, zwei Fastentage und eine stabile Temperatur lösen das oft. Füttere generell lieber zwei kleine Portionen statt einer großen — dazu mehr im Steckbrief.
Das Massenfarm-Problem
Ein ehrlicher Punkt, den der Handel verschweigt: Viele Guppys aus billiger Massenzucht sind durch Antibiotika und Hochtemperatur-Aufzucht immunologisch geschwächt. Manche kümmern trotz bester Pflege, der Bauch fällt ein, sie zehren aus. Da hilft oft keine Behandlung mehr — das Tier war schon krank, bevor du es gekauft hast. Deshalb ist die Auswahl gesunder Tiere im Laden die beste Krankheitsvorsorge überhaupt.
Quarantäne — der unterschätzte Schutz
Mein wichtigster Praxistipp aus zwanzig Jahren: Neue Guppys nie direkt ins Hauptbecken. Zwei bis drei Wochen in einem einfachen Quarantänebecken, dann siehst du, ob sie Ichthyo, Pilz oder Würmer einschleppen — bevor sie deinen ganzen Bestand anstecken. Das eine Mal, als ich mir diesen Schritt gespart habe, hatte ich Ichthyo in vier Becken gleichzeitig. Nie wieder.
Was in die Guppy-Hausapotheke gehört
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- Ein Quarantänebecken (auch ein einfacher 20-Liter-Eimer mit Heizer tut’s)
Häufige Fragen zu Guppy-Krankheiten
Warum sterben meine Guppys nach zwei Wochen? Fast immer zu weiches Wasser. Hochzuchtguppys brauchen GH 15+. In weichem Leitungswasser bricht das Immunsystem nach einigen Wochen ein — miss deine Härte und härte bei Bedarf auf.
Was tun bei weißem Belag auf dem Guppy? Das ist Pilz. Großer Wasserwechsel, Werte prüfen, Temperatur stabil halten. Greift es weiter um sich, mit einem Anti-Pilz- oder Breitbandmittel behandeln.
Wie erkenne ich Flossenfäule beim Guppy? Die Flossenränder werden ausgefranst, oft rötlich oder milchig. Ursache sind meist schlechte Wasserwerte. Wasser in Ordnung bringen, bei Fortschreiten bakteriell behandeln.
Sind Guppy-Krankheiten ansteckend für andere Fische? Ja — Ichthyo, Pilz und bakterielle Infektionen springen auf alle Beckenbewohner über. Deshalb immer das ganze Becken behandeln und neue Tiere vorher in Quarantäne setzen.
Merk dir den einen Satz: Beim Guppy ist sauberes, hartes Wasser die beste Medizin. Wer Werte und Quarantäne im Griff hat, braucht die Hausapotheke nur selten.
Weiterlesen im Guppy-Cluster:
- Guppy richtig halten: der große Steckbrief
- Guppy-Becken & Wasserhärte richtig einstellen
- Guppy-Arten: gesunde Tiere im Laden erkennen

