Es gibt diesen einen Moment, der fast jeden Guppy-Halter erwischt: Du schaust morgens ins Becken, und zwischen den Pflanzen wuseln plötzlich winzige durchsichtige Striche herum. Dein Guppy hat Junge bekommen — und du hast nichts davon kommen sehen. Willkommen im Club, das ging mir mit meinem ersten Wurf genauso.
Guppys sind lebendgebärend und vermehren sich, als gäbe es kein Morgen. Ob das ein Segen oder ein Problem wird, hängt davon ab, ob du vorbereitet bist. Lass uns beides durchgehen: wie du Jungfische durchbringst — und wie du die Lawine bremst, wenn es zu viel wird.
Tragende Weibchen erkennen
Ein Guppy-Weibchen wird nach der Paarung deutlich runder, der Bauch wölbt sich kantig nach unten. Das sicherste Zeichen ist der Trächtigkeitsfleck: ein dunkler Fleck am Bauch nahe der Afterflosse, der mit fortschreitender Tragzeit größer und dunkler wird. Kurz vor der Geburt erkennst du bei genauem Hinsehen sogar die Augen der Jungen als kleine Punkte.
Die Tragzeit beträgt etwa vier Wochen. Und jetzt der Hammer, der die meisten überrascht: Ein Weibchen kann nach einer einzigen Paarung bis zu elf Würfe bekommen — es speichert das Sperma im Körper. Du kaufst also nie “ein Weibchen”, du kaufst eine ganze Produktionslinie. Selbst wenn du das Männchen rausfängst, kommen monatelang Junge.
Warum die Eltern den Nachwuchs fressen
Hier die unsentimentale Wahrheit: Guppys betreiben keine Brutpflege. Für die Elterntiere und alle anderen Beckenbewohner sind die Jungen schlicht Futter. In einem normal besetzten Becken überlebt ohne Schutzmaßnahmen kaum ein Junges die erste Nacht.
Das ist kein Drama, sondern Natur — und in einem Gesellschaftsbecken sogar praktisch, weil es die Population reguliert. Problematisch wird es nur, wenn du gezielt Junge durchbringen willst.
Jungfische retten — drei Wege
1. Dichte Bepflanzung. Der einfachste Weg: ein dichtes Polster aus Hornkraut, Javamoos oder Schwimmpflanzen. Die Jungen verstecken sich in den ersten Tagen darin. Es überleben nicht alle, aber genug, wenn du keinen gezielten Nachwuchs brauchst.
2. Ablaichkasten. Du setzt das hochtragende Weibchen in einen einhängbaren Kasten. Die Jungen fallen durch einen Schlitz in den geschützten Bereich, das Weibchen kommt nicht ran. Wichtig: erst kurz vor der Geburt einsetzen — der Kasten stresst, und gestresste Weibchen werfen vorzeitig oder fressen die Jungen sogar selbst.
3. Separates Aufzuchtbecken. Der Königsweg für echte Zucht: ein eigenes kleines Becken nur für die Jungen. Mehr Platz, weniger Stress, beste Überlebensrate.
Empfehlung: Ein einhängbarer Ablaichkasten* ist der günstigste Einstieg — er trennt das tragende Weibchen ab und schützt die Jungen, ohne dass du ein zweites Becken brauchst. Genau damit habe ich meine ersten gezielten Würfe durchgebracht. Preis prüfen →
Aufzucht
- Trennt das tragende Weibchen ab — Junge fallen durch den Schlitz
- Schützt Jungfische vor dem Gefressenwerden
- Einhängbar, kein zweites Becken nötig
Preise ändern sich oft täglich — den aktuellen Preis siehst du nur im Shop.
Jungfische richtig füttern
Guppy-Babys sind von Geburt an voll entwickelte Mini-Fische, die sofort fressen. Sie brauchen aber feines, proteinreiches Futter und das mehrmals täglich — sie wachsen schnell und haben einen winzigen Magen.
Bewährt hat sich bei mir diese Reihenfolge:
- Erste Tage: fein zerriebenes Flockenfutter oder flüssiges Aufzuchtfutter
- Ab Tag 3–4: frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien — das Wachstumswunder schlechthin
- Mehrmals täglich kleine Portionen
Empfehlung: sera Artemia-Mix* — Eier, Salz und Spirulina fertig gemischt. Frisch geschlüpfte Nauplien sind das beste Aufzuchtfutter überhaupt; damit ziehe ich kräftige, schnellwachsende Jungguppys auf. Preis prüfen →
sera
- Eier, Salz und Spirulina fertig gemischt
- Frisch geschlüpfte Nauplien — das beste Aufzuchtfutter
- Hohe Schlupfrate, einfach anzusetzen
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Achte penibel auf die Wasserwerte im Aufzuchtbecken — Jungfische reagieren empfindlicher auf Nitrit als die Eltern. Kleine, häufige Wasserwechsel sind Pflicht.
Wenn es zu viel wird — die Vermehrung bremsen
Irgendwann kommt bei fast jedem der Punkt: zu viele Guppys, der Händler nimmt sie nicht mehr, verschenken klappt auch nicht ewig. So bremst du die Lawine:
- Reine Männchengruppe halten. Der radikalste und sicherste Weg: gar keine Weibchen. Volle Farbe, null Nachwuchs. Wie du die Geschlechter unterscheidest, steht im eigenen Ratgeber.
- Keine Schutzmaßnahmen. Im Gesellschaftsbecken einfach nichts tun — die Natur regelt den Bestand.
- Kleine Räuber einsetzen. Zwergbuntbarsche fressen einen Teil der Jungen, siehe Vergesellschaftung.
- Geschlechter trennen, sobald die Jungen erkennbar sind.
Und bitte: Setz niemals überschüssige Guppys in Teiche oder Gewässer aus. Das ist nicht nur verboten, der Guppy ist in vielen Ländern eine invasive Plage geworden, genau weil Leute ihn “freigelassen” haben.
Häufige Fragen zum Guppy-Nachwuchs
Mein Guppy bekommt Junge — was muss ich sofort tun? Ruhe bewahren. Sorg für dichte Versteckpflanzen oder setz das hochtragende Weibchen in einen Ablaichkasten. Die Jungen fressen ab dem ersten Tag fein zerriebenes oder flüssiges Aufzuchtfutter.
Wie viele Junge bekommt ein Guppy? Je nach Größe und Alter des Weibchens 20 bis 150 Jungfische pro Wurf — und das alle vier Wochen, teils über viele Würfe aus einer einzigen Paarung.
Wie schütze ich Guppy-Babys vor den Eltern? Dichte Bepflanzung, ein Ablaichkasten oder ein separates Aufzuchtbecken. Guppys betreiben keine Brutpflege und fressen den eigenen Nachwuchs.
Wann kann ich Jungguppys ins Hauptbecken setzen? Sobald sie groß genug sind, um nicht mehr ins Maul der adulten Fische zu passen — meist nach 6 bis 8 Wochen, abhängig vom Wachstum.
Ob du den Nachwuchs feierst oder fürchtest, liegt an dir. Entscheide dich früh: gezielt aufziehen mit Kasten und Artemia — oder von vornherein eine reine Männchengruppe und das Thema ist erledigt.
Weiterlesen im Guppy-Cluster:
- Guppy richtig halten: der große Steckbrief
- Guppy-Geschlecht erkennen: Männchen oder Weibchen?
- Guppy-Vergesellschaftung: Wer passt zum Guppy?

