Nano-Fische halten klingt einfacher als es ist. “Passt ins kleine Becken” steht auf dem Etikett im Zoohandel — aber passt der Fisch auch zu deinen Garnelen? Hat er genug Schwimmraum? Ist er artgerecht zu halten?
Diese Liste ist ehrlich sortiert: nach tatsächlicher Eignung für Nano-Becken, nicht nach Beliebtheit. Jede Art bekommt eine klare Einschätzung — inklusive der Wahrheit über bekannte Probleme. Für jede der Top-Arten gibt es einen eigenen, ausführlichen Steckbrief — verlinkt unter jedem Eintrag.
→ Zur Einrichtung des Beckens: Nano Aquarium Guide — der komplette Einsteiger-Guide
Was ein Nano-Fisch wirklich sein muss
Nicht jede kleine Fischart ist ein guter Nano-Fisch. Kriterien:
- Endgröße unter 4 cm — sonst wird das Becken zu eng
- Ruhiges, nicht territoriales Verhalten — kein Stress für Mitbewohner
- Niedrige Sauerstoff- und Filteranforderungen — kleines Volumen = wenig Puffer
- Keine extremen Wasserparameter — Leitungswasser-tauglich (außer Ausnahmen)
Und ein Bonus-Kriterium: Verträglichkeit mit Garnelen. Wer Neocaridina oder Caridina im Becken hat, muss sichergehen, dass der Fisch keine Garnelen als Snack betrachtet.
1. Boraras brigittae — Moskitobärbling
Endgröße: 2 cm | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja (Jungtiere möglicherweise)
Der Moskitobärbling ist der perfekte Nano-Fisch. Winzig, friedlich, in einer Gruppe von 8–12 Tieren bildet er einen faszinierenden Schwarm. Seine intensive orangerote Färbung mit schwarzem Längsband macht ihn zu einem der schönsten Kleinstfische überhaupt.
Er kommt aus dunklen, weichen, leicht sauren Gewässern Südostasiens. Leitungswasser mit pH 6,5–7,5 und GH unter 12 ist gut geeignet. Kein Räuber — ausgewachsene Neocaridina sind komplett sicher, sehr kleine Jungtiere könnten vereinzelt gefressen werden.
Fütterung: Kleines Frostfutter (Artemia-Nauplien, Cyclops), feines Granulat.
→ Vollständiger Steckbrief: Boraras brigittae halten & pflegen
2. Hyphessobrycon amandae — Funkensalmler (Ember Tetra)
Endgröße: 2 cm | Mindestbecken: 40 L | Garnelen-safe: Ja
Einer der beliebtesten Nano-Fische weltweit. Der Funkensalmler leuchtet in intensivem Orange-Rot und ist dauerhaft in Bewegung. In einer Gruppe von 10–15 Tieren ist er ein lebendiges Bild.
Wasseranforderungen moderat: pH 6,0–7,5, GH bis 15 dH. Sehr friedlich, auch mit großen Neocaridina problemlos vergesellschaftbar.
Vorteil gegenüber Boraras: Leichter im Handel erhältlich, etwas robuster.
→ Vollständiger Steckbrief: Funkensalmler halten & pflegen
3. Corydoras pygmaeus — Pygmäen-Panzerwels
Endgröße: 3 cm | Mindestbecken: 45 L | Garnelen-safe: Ja
Der kleinste und friedlichste Panzerwels. Anders als die meisten Corydoras schwimmt C. pygmaeus nicht nur am Boden, sondern auch in mittleren Wasserzonen — interessantes Verhalten. In einer Gruppe von mindestens 8 Tieren zeigt er sein natürliches Sozialverhalten.
Pflicht: feiner Quarzsand. Kies verletzt die feinen Barteln binnen Wochen. Der Rest ist unkompliziert.
→ Vollständiger Steckbrief: Zwergpanzerwels: Pygmäen, Habrosus & Hastatus
4. Microdevario kubotai — Neon-Zwergbärbling
Endgröße: 2,5 cm | Mindestbecken: 45 L | Garnelen-safe: Ja
Intensive neon-grüne Färbung, extrem agiles Schwimmverhalten, gesellig. Microdevario kubotai ist weniger bekannt als Boraras oder Funkensalmler, aber von der Optik her absolut spektakulär.
Weicheres Wasser bevorzugt (GH unter 10), pH 6,5–7,5. Gruppe von mindestens 10 Tieren.
→ Bärblinge im Überblick: Die 8 schönsten Bärbling-Arten
5. Danio margaritatus — Perlhuhnbärbling (Galaxy Rasbora)
Endgröße: 2,5 cm | Mindestbecken: 40 L | Garnelen-safe: Meistens ja
Der Perlhuhnbärbling hat ein Muster wie ein Sternenhimmel — blaue Punkte auf grau-braunem Körper, orange-weiße Flossen. Sehr beliebt, gut erhältlich, deutlich robuster als die meisten anderen Mini-Bärblinge.
Er ist etwas aktiver und größer als Boraras — sehr kleine Garnelen-Jungtiere können vereinzelt gefressen werden. Mit ausgewachsenen Neocaridina verträgt er sich gut.
Wasseranforderungen: pH 6,5–7,5, GH 5–15 dH, auch mit etwas härterem Wasser gut.
→ Vollständiger Steckbrief: Perlhuhnbärbling halten & pflegen
6. Trigonostigma heteromorpha — Keilfleckbärbling
Endgröße: 4–5 cm | Mindestbecken: 54 L | Garnelen-safe: Ja
Der Klassiker schlechthin — seit den 1950ern in deutschen Becken und immer noch einer der schönsten Schwarmfische überhaupt. Markanter schwarzer Keilfleck auf orange-rotem Grund, in einer Gruppe von 12 Tieren spektakulär.
Wer ein 54-Liter-Becken hat, ist hier richtig. Für kleinere Nano-Becken sind die Verwandten T. espei (3,5 cm) oder T. hengeli (3 cm) die bessere Wahl.
→ Vollständiger Steckbrief: Keilfleckbärbling halten & pflegen
7. Poecilia wingei — Endler-Guppy
Endgröße: 2 cm (Männchen) | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja
Die Wildform des Guppys — knallige Männchen in Pfauengrün, Tieforange und Schwarz, kaum zwei Zentimeter groß. Lebendgebärend, robust, in hartem Leitungswasser fast wartungsfrei.
Wichtig: Reine Endler (N-Class) sind nur über Spezialhändler oder private Züchter zu bekommen. Im Massenhandel sind oft Hybride mit normalen Guppys unterwegs — wer Wildlinge will, fragt explizit nach.
→ Vollständiger Steckbrief: Endler-Guppy halten & züchten
8. Tanichthys albonubes — Kardinalfisch
Endgröße: 3,5 cm | Mindestbecken: 54 L | Garnelen-safe: Ja (mit Neocaridina)
Der einzige echte Kaltwasser-Nano-Fisch. Bei 18–22 °C fühlt er sich pudelwohl — perfekt für Becken in kühlen Räumen oder für Aquarianer, die auf den Heizer verzichten wollen.
Robust, friedlich, vermehrungsfreudig. Im Habitat (Süd-China, White Cloud Mountain) fast ausgestorben — alle Tiere im Handel sind Nachzucht.
→ Vollständiger Steckbrief: Kardinalfisch halten ohne Heizer
9. Betta splendens (Kampffisch) — der Sonderfall
Endgröße: 6 cm | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Nein
Kampffische passen ins Nano — mit Einschränkungen. Einzelhaltung ist Pflicht (keine zwei Männchen). Keine oder minimal Strömung. Zugang zur Wasseroberfläche (Labyrinthfisch). Keine Garnelen — Bettas fressen Garnelen.
Der Kampffisch ist schön und interessant, hat aber strikte Ansprüche. Für Garnelen-Halter die falschen Mitbewohner.
→ Vollständiger Steckbrief: Kampffisch Betta splendens halten
10. Oryzias woworae — Daeng Medaka
Endgröße: 3 cm | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja
Medaka-Fische sind in der deutschen Aquaristik unterrepräsentiert, aber wunderbar pflegeleicht. O. woworae hat intensive orangerote Färbung, ist robust und verträgt sogar kühlere Temperaturen (20–28 °C). Für ungeheizte Zimmer-Aquarien interessant.
Sehr friedlich, auch mit Garnelen verträglich.
Welcher Nano-Fisch passt zu Garnelen?
| Fisch | Garnelen-safe | Hinweis |
|---|---|---|
| Boraras brigittae | Ja (fast) | Sehr kleine Jungtiere riskant |
| Funkensalmler | Ja | Verträglich, kaum Verluste |
| Zwergpanzerwels | Ja | Bodenbewohner, kein Konflikt |
| Microdevario kubotai | Ja | Sehr friedlich |
| Perlhuhnbärbling | Meist ja | Kleine Jungtiere riskant |
| Keilfleckbärbling | Ja | Ausgewachsene Garnelen sicher |
| Endler-Guppy | Ja | Babys werden gelegentlich gefressen |
| Kardinalfisch | Ja | Perfekt mit Neocaridina |
| Kampffisch | Nein | Frisst Garnelen aktiv |
| Oryzias woworae | Ja | Sehr verträglich |
Welche Anzahl pro Beckengröße?
| Beckengröße | Empfehlung |
|---|---|
| 20–30 L | 8–12 Moskitobärblinge oder Männergruppe Endler-Guppys |
| 30–40 L | 10 Perlhuhnbärblinge oder 10 Funkensalmler |
| 40–54 L | 10 Perlhuhnbärblinge + 6 Zwergpanzerwelse |
| 54–60 L | 12 Keilfleckbärblinge + 6 Zwergpanzerwelse + Otocinclus |
| 60–80 L | Mischbesatz: 12 Boraras + 8 Funkensalmler + 8 Zwergpanzerwelse |
Häufige Fragen (FAQ)
Wie viele Nano-Fische passen in 30 Liter?
Richtwert: eine Gruppe einer Art (8–12 kleine Fische) oder Kombination aus zwei kompatiblen Arten mit je 6–8 Tieren. Keine exakte Literzahl-Regel — Besatz hängt von Filterleistung und Besatzplan ab.
Kann ich Nano-Fische mit Neocaridina-Garnelen halten?
Ja, mit den richtigen Arten (Boraras, Funkensalmler, Pygmäen-Corydoras). Dichte Bepflanzung und Moospolster schützen Garnelen-Jungtiere.
Warum kaufe ich lieber viele kleine Fische statt einem größeren?
Kleinere Fische haben meist interessanteres Schwarmverhalten, leben artgerechter in der Gruppe und passen besser zu kleinen Becken als ein einzelner “Prachtstück-Fisch”.
Brauche ich einen Heizer für Nano-Fische?
Fast alle tropischen Nano-Fische brauchen 22–27 °C — ein Mini-Heizer (25W) ist Pflicht. Ausnahmen: Kardinalfisch (16–24 °C) und Medaka-Arten vertragen Zimmertemperatur.
Welcher Nano-Fisch ist der Beste für Anfänger?
Perlhuhnbärbling oder Funkensalmler. Beide sind robust, friedlich, garnelen-sicher, und im Handel überall verfügbar. Wer kein Heizer-Becken will, nimmt den Kardinalfisch.
Welche Bärblinge sind die kleinsten?
Boraras brigittae und Boraras maculatus mit jeweils 2 cm. Eine ausführliche Übersicht: Bärblinge: Die 8 schönsten Arten.
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