Nano-Fische halten klingt einfacher als es ist. “Passt ins kleine Becken” steht auf dem Etikett im Zoohandel — aber passt der Fisch auch zu deinen Garnelen? Hat er genug Schwimmraum? Ist er artgerecht zu halten?
Diese Liste ist ehrlich sortiert: nach tatsächlicher Eignung für Nano-Becken, nicht nach Beliebtheit. Jede Art bekommt eine klare Einschätzung — inklusive der Wahrheit über bekannte Probleme. Für jede der Top-Arten gibt es einen eigenen, ausführlichen Steckbrief — verlinkt unter jedem Eintrag.
→ Zur Einrichtung des Beckens: Nano Aquarium Guide — der komplette Einsteiger-Guide
Was ein Nano-Fisch wirklich sein muss
Nicht jede kleine Fischart ist ein guter Nano-Fisch. Kriterien:
- Endgröße unter 4 cm — sonst wird das Becken zu eng
- Ruhiges, nicht territoriales Verhalten — kein Stress für Mitbewohner
- Niedrige Sauerstoff- und Filteranforderungen — kleines Volumen = wenig Puffer
- Keine extremen Wasserparameter — Leitungswasser-tauglich (außer Ausnahmen)
Und ein Bonus-Kriterium: Verträglichkeit mit Garnelen. Wer Neocaridina oder Caridina im Becken hat, muss sichergehen, dass der Fisch keine Garnelen als Snack betrachtet.
Empfehlung *Was fast alle fressen: JBL NovoGranoColor Mini* — der Haken an Nano-Fischen ist das winzige Maul, normale Flocken sind oft zu grob. Dieses feine Farbgranulat passt fast allen Arten auf dieser Liste, sinkt langsam und holt über Carotinoide die Rot- und Orangetöne raus. Ehrlicher Haken: Für die allerkleinsten Mäuler wie den Moskitobärbling brauchst du zusätzlich Staubfutter.
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Welche Fische passen in 10, 20, 30, 40 oder 60 Liter?
Das ist die Frage, mit der fast jeder hier landet — und die ehrlichste Antwort ist zugleich die unbeliebteste: Unter 20 Litern gehört kein Fisch ins Becken. Punkt.
Ich weiß, wie das ankommt. Mein erstes Becken war ein 12-Liter-Würfel auf dem Schreibtisch, und im Zoohandel hat man mir dazu fünf Fische verkauft. Zwei Wochen später war das Wasser gekippt und drei Tiere tot. Nicht weil ich zu blöd war zu pflegen, sondern weil zwölf Liter keinen Puffer haben: Eine Handvoll Futter zu viel, und die Werte schlagen über Nacht durch. Ein 60-Liter-Becken verzeiht dir zwei Tage Unaufmerksamkeit, ein 12-Liter keine Stunde.
Hier die Zuordnung nach Beckengröße, mit denselben Mindestmaßen wie in den Steckbriefen weiter unten:
| Becken | Was wirklich reinpasst |
|---|---|
| 7–15 Liter | Keine Fische. Garnelen und Schnecken — und die fühlen sich dort ausgesprochen wohl. |
| 15–25 Liter | Weiterhin keine Fische — auch kein Kampffisch, der gehört in 54 Liter. Garnelen und Schnecken sind hier die ehrliche Lösung. |
| 25–35 Liter | Der Einstieg: Moskitobärbling, Endler-Guppy (Männergruppe) oder Daeng Medaka. Jeweils EINE Art. |
| 35–45 Liter | Funkensalmler, Perlhuhnbärbling, Neon-Zwergbärbling. Erste sinnvolle Schwarmgrößen ab 10 Tieren. |
| 45–54 Liter | Zusätzlich Zwergpanzerwelse als Bodenteam — ab hier funktioniert Zweiartenbesatz. |
| 54–60 Liter | Keilfleckbärbling, Kardinalfisch, kompletter Mischbesatz mit Boden- und Schwarmfischen. |
Zwei Dinge, die in dieser Tabelle stecken und oft untergehen:
Die Literzahl auf dem Karton ist nicht dein Wasservolumen. Bodengrund, Hardscape und die Tatsache, dass kein Becken bis zum Rand gefüllt wird, kosten dich 10 bis 15 Prozent. Aus dem 30-Liter-Cube werden real schnell 25 Liter — und damit rutschst du unter die Grenze, an der ein Schwarm noch Sinn ergibt. Rechne dein echtes Volumen aus, bevor du Fische bestellst.
Die Grundfläche schlägt das Volumen. Ein hoher, schmaler 30-Liter-Cube ist für Schwarmfische schlechter als ein flaches 30-Liter-Becken mit 60 cm Kantenlänge. Fische schwimmen in die Länge, nicht nach oben. Bei zwei Becken mit gleicher Literzahl nimmst du immer das breitere.
Und wenn dein Becken für Fische zu klein ist: Das ist kein Trostpreis. Ein dicht bepflanztes 20-Liter-Becken mit dreißig Red Fire Garnelen ist lebendiger als jedes halbleere Fischbecken — und du kannst dem Treiben stundenlang zusehen. → Garnelenbecken einrichten
1. Boraras brigittae — Moskitobärbling
Endgröße: 2 cm | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja (Jungtiere möglicherweise)
Der Moskitobärbling ist der perfekte Nano-Fisch. Winzig, friedlich, in einer Gruppe von 8–12 Tieren bildet er einen faszinierenden Schwarm. Seine intensive orangerote Färbung mit schwarzem Längsband macht ihn zu einem der schönsten Kleinstfische überhaupt.
Er kommt aus dunklen, weichen, leicht sauren Gewässern Südostasiens. Leitungswasser mit pH 6,5–7,5 und GH unter 12 ist gut geeignet. Kein Räuber — ausgewachsene Neocaridina sind komplett sicher, sehr kleine Jungtiere könnten vereinzelt gefressen werden.
Fütterung: Kleines Frostfutter (Artemia-Nauplien, Cyclops), feines Granulat.
→ Vollständiger Steckbrief: Boraras brigittae halten & pflegen
2. Hyphessobrycon amandae — Funkensalmler (Ember Tetra)
Endgröße: 2 cm | Mindestbecken: 40 L | Garnelen-safe: Ja
Einer der beliebtesten Nano-Fische weltweit. Der Funkensalmler leuchtet in intensivem Orange-Rot und ist dauerhaft in Bewegung. In einer Gruppe von 10–15 Tieren ist er ein lebendiges Bild.
Wasseranforderungen moderat: pH 6,0–7,5, GH bis 15 dH. Sehr friedlich, auch mit großen Neocaridina problemlos vergesellschaftbar.
Vorteil gegenüber Boraras: Leichter im Handel erhältlich, etwas robuster.
→ Vollständiger Steckbrief: Funkensalmler halten & pflegen
3. Corydoras pygmaeus — Pygmäen-Panzerwels
Endgröße: 3 cm | Mindestbecken: 45 L | Garnelen-safe: Ja
Der kleinste und friedlichste Panzerwels. Anders als die meisten Corydoras schwimmt C. pygmaeus nicht nur am Boden, sondern auch in mittleren Wasserzonen — interessantes Verhalten. In einer Gruppe von mindestens 8 Tieren zeigt er sein natürliches Sozialverhalten.
Pflicht: feiner Quarzsand. Kies verletzt die feinen Barteln binnen Wochen. Der Rest ist unkompliziert.
Barteln-sicher Empfehlung *Fürs Bodenteam Pflicht: JBL Sansibar River* — rundkörniger, kalkfreier Sand in genau der Körnung, in der Pygmäen-Corys gefahrlos gründeln. Ich fahre ihn in zwei Becken; die Barteln bleiben intakt, und auf dem dunklen Grund wirken die Zwerge doppelt so kräftig gefärbt. Ehrlicher Haken: Vor dem Einfüllen gründlich spülen, sonst staubt es die ersten Stunden.
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- Rundkörnig 0,4–1,4 mm — schleift keine Barteln ab
- Kalkfrei, beeinflusst die Wasserwerte nicht
- Dunkle Körnung — Welse zeigen kräftigere Farben
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→ Vollständiger Steckbrief: Zwergpanzerwels: Pygmäen, Habrosus & Hastatus
4. Microdevario kubotai — Neon-Zwergbärbling
Endgröße: 2,5 cm | Mindestbecken: 45 L | Garnelen-safe: Ja
Intensive neon-grüne Färbung, extrem agiles Schwimmverhalten, gesellig. Microdevario kubotai ist weniger bekannt als Boraras oder Funkensalmler, aber von der Optik her absolut spektakulär.
Weicheres Wasser bevorzugt (GH unter 10), pH 6,5–7,5. Gruppe von mindestens 10 Tieren.
→ Bärblinge im Überblick: Die 8 schönsten Bärbling-Arten
5. Danio margaritatus — Perlhuhnbärbling (Galaxy Rasbora)
Endgröße: 2,5 cm | Mindestbecken: 40 L | Garnelen-safe: Meistens ja
Der Perlhuhnbärbling hat ein Muster wie ein Sternenhimmel — blaue Punkte auf grau-braunem Körper, orange-weiße Flossen. Sehr beliebt, gut erhältlich, deutlich robuster als die meisten anderen Mini-Bärblinge.
Er ist etwas aktiver und größer als Boraras — sehr kleine Garnelen-Jungtiere können vereinzelt gefressen werden. Mit ausgewachsenen Neocaridina verträgt er sich gut.
Wasseranforderungen: pH 6,5–7,5, GH 5–15 dH, auch mit etwas härterem Wasser gut.
→ Vollständiger Steckbrief: Perlhuhnbärbling halten & pflegen
6. Trigonostigma heteromorpha — Keilfleckbärbling
Endgröße: 4–5 cm | Mindestbecken: 54 L | Garnelen-safe: Ja
Der Klassiker schlechthin — seit den 1950ern in deutschen Becken und immer noch einer der schönsten Schwarmfische überhaupt. Markanter schwarzer Keilfleck auf orange-rotem Grund, in einer Gruppe von 12 Tieren spektakulär.
Wer ein 54-Liter-Becken hat, ist hier richtig. Für kleinere Nano-Becken sind die Verwandten T. espei (3,5 cm) oder T. hengeli (3 cm) die bessere Wahl.
→ Vollständiger Steckbrief: Keilfleckbärbling halten & pflegen
7. Poecilia wingei — Endler-Guppy
Endgröße: 2 cm (Männchen) | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja
Die Wildform des Guppys — knallige Männchen in Pfauengrün, Tieforange und Schwarz, kaum zwei Zentimeter groß. Lebendgebärend, robust, in hartem Leitungswasser fast wartungsfrei.
Wichtig: Reine Endler (N-Class) sind nur über Spezialhändler oder private Züchter zu bekommen. Im Massenhandel sind oft Hybride mit normalen Guppys unterwegs — wer Wildlinge will, fragt explizit nach.
→ Vollständiger Steckbrief: Endler-Guppy halten & züchten
8. Tanichthys albonubes — Kardinalfisch
Endgröße: 3,5 cm | Mindestbecken: 54 L | Garnelen-safe: Ja (mit Neocaridina)
Der einzige echte Kaltwasser-Nano-Fisch. Bei 18–22 °C fühlt er sich pudelwohl — perfekt für Becken in kühlen Räumen oder für Aquarianer, die auf den Heizer verzichten wollen.
Robust, friedlich, vermehrungsfreudig. Im Habitat (Süd-China, White Cloud Mountain) fast ausgestorben — alle Tiere im Handel sind Nachzucht.
→ Vollständiger Steckbrief: Kardinalfisch halten ohne Heizer
9. Betta splendens (Kampffisch) — der Sonderfall
Endgröße: 6 cm | Mindestbecken: 54 L | Garnelen-safe: Nein
Der Kampffisch steht hier als Sonderfall, weil er in jeder Nano-Liste auftaucht — er gehört aber streng genommen nicht hinein. 54 Liter, also das klassische 60-cm-Becken, sind die Untergrenze. Dass er in Zoohandlungen in Bechern sitzt, heißt nicht, dass er darin leben will: Bettas patrouillieren ihr Revier und brauchen Strecke.
Weitere Ansprüche: Einzelhaltung ist Pflicht (keine zwei Männchen). Keine oder minimal Strömung. Freier Zugang zur Wasseroberfläche, weil er über das Labyrinthorgan Luft atmet. Und keine Garnelen — Bettas fressen sie.
→ Vollständiger Steckbrief: Kampffisch Betta splendens halten
10. Oryzias woworae — Daeng Medaka
Endgröße: 3 cm | Mindestbecken: 30 L | Garnelen-safe: Ja
Medaka-Fische sind in der deutschen Aquaristik unterrepräsentiert, aber wunderbar pflegeleicht. O. woworae hat intensive orangerote Färbung, ist robust und verträgt sogar kühlere Temperaturen (20–28 °C). Für ungeheizte Zimmer-Aquarien interessant.
Sehr friedlich, auch mit Garnelen verträglich.
Welcher Nano-Fisch passt zu Garnelen?
| Fisch | Garnelen-safe | Hinweis |
|---|---|---|
| Boraras brigittae | Ja (fast) | Sehr kleine Jungtiere riskant |
| Funkensalmler | Ja | Verträglich, kaum Verluste |
| Zwergpanzerwels | Ja | Bodenbewohner, kein Konflikt |
| Microdevario kubotai | Ja | Sehr friedlich |
| Perlhuhnbärbling | Meist ja | Kleine Jungtiere riskant |
| Keilfleckbärbling | Ja | Ausgewachsene Garnelen sicher |
| Endler-Guppy | Ja | Babys werden gelegentlich gefressen |
| Kardinalfisch | Ja | Perfekt mit Neocaridina |
| Kampffisch | Nein | Frisst Garnelen aktiv |
| Oryzias woworae | Ja | Sehr verträglich |
Welche Anzahl pro Beckengröße?
| Beckengröße | Empfehlung |
|---|---|
| 25–35 L | 8–12 Moskitobärblinge oder Männergruppe Endler-Guppys |
| 35–45 L | 10–12 Funkensalmler oder 10 Perlhuhnbärblinge |
| 45–54 L | 10 Perlhuhnbärblinge + 6 Zwergpanzerwelse |
| 54–60 L | 12 Keilfleckbärblinge + 6 Zwergpanzerwelse + Otocinclus |
| 60–80 L | Mischbesatz: 12 Boraras + 8 Funkensalmler + 8 Zwergpanzerwelse |
Die Zahlen gelten für das Netto-Volumen, nicht für die Angabe auf dem Karton — siehe oben.
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Häufige Fragen (FAQ)
Wie viele Nano-Fische passen in 30 Liter?
Eine Gruppe einer einzigen Art, 8–12 kleine Fische — zum Beispiel Moskitobärblinge oder eine Männergruppe Endler. Zwei Arten gleichzeitig funktionieren erst ab etwa 45 Litern. Und rechne mit dem Nettovolumen: Aus 30 Litern auf dem Karton werden mit Bodengrund real eher 25. Wie viele Zentimeter Fisch dein Becken trägt, sagt dir der Besatz-Rechner.
Welche Fische passen in ein 20-Liter-Aquarium?
Keine. Zwanzig Liter sind für einen Fischschwarm zu wenig Puffer, und auch der Kampffisch ist keine Ausnahme — der gehört in 54 Liter. Die ehrliche und deutlich schönere Lösung bei dieser Größe sind Garnelen und Schnecken.
Welche Fische passen in 10 Liter?
Auch hier: keine. Zehn Liter sind ein Garnelenbecken, kein Fischbecken. Wer trotzdem Fische einsetzt, kämpft dauerhaft mit kippenden Werten — das ist kein Anfängerpech, das ist Physik.
Welche Fische passen in ein 60-Liter-Becken?
Bei 60 Litern hast du die volle Auswahl dieser Liste, inklusive Mischbesatz: etwa 12 Keilfleckbärblinge plus 6 Zwergpanzerwelse als Bodenteam. Das ist die Beckengröße, ab der Nano-Aquaristik entspannt wird.
Kann ich Nano-Fische mit Neocaridina-Garnelen halten?
Ja, mit den richtigen Arten (Boraras, Funkensalmler, Pygmäen-Corydoras). Dichte Bepflanzung und Moospolster schützen Garnelen-Jungtiere.
Warum kaufe ich lieber viele kleine Fische statt einem größeren?
Kleinere Fische haben meist interessanteres Schwarmverhalten, leben artgerechter in der Gruppe und passen besser zu kleinen Becken als ein einzelner “Prachtstück-Fisch”.
Brauche ich einen Heizer für Nano-Fische?
Fast alle tropischen Nano-Fische brauchen 22–27 °C — ein Mini-Heizer (25W) ist Pflicht. Ausnahmen: Kardinalfisch (16–24 °C) und Medaka-Arten vertragen Zimmertemperatur.
Welcher Nano-Fisch ist der Beste für Anfänger?
Perlhuhnbärbling oder Funkensalmler. Beide sind robust, friedlich, garnelen-sicher, und im Handel überall verfügbar. Wer kein Heizer-Becken will, nimmt den Kardinalfisch.
Welche Bärblinge sind die kleinsten?
Boraras brigittae und Boraras maculatus mit jeweils 2 cm. Eine ausführliche Übersicht: Bärblinge: Die 8 schönsten Arten.
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