Schwimmpflanzen sind der am meisten unterschätzte Trick im Hobby. Sie kosten wenig, sehen im offenen Becken großartig aus — und sie arbeiten als biologischer Hochleistungsfilter, während du nichts tust. Mein erstes wirklich algenfreies Becken verdanke ich nicht teurer Technik, sondern einer Handvoll Froschbiss, die ich aus Faulheit hab wuchern lassen.
Der Grund für ihre Power: Schwimmpflanzen sitzen direkt an der Wasseroberfläche und zapfen das CO2 aus der Luft an. Damit sind sie von der im Wasser oft knappen Kohlenstoffversorgung komplett unabhängig — und wachsen entsprechend schnell. Diese Wuchskraft ist Segen und Fluch zugleich.
→ Wo Schwimmpflanzen ins Gesamtbild passen: Aquariumpflanzen-Guide.
Die gängigen Schwimmpflanzen im Vergleich
| Art (botanisch) | Name | Größe | Tempo | Wurzeln |
|---|---|---|---|---|
| Limnobium laevigatum | Amazonas-Froschbiss | 2–5 cm | schnell | sehr lang (bis 30 cm) |
| Pistia stratiotes | Muschelblume | 5–15 cm | schnell | lang, fein gefiedert |
| Salvinia auriculata | Schwimmfarn | 1–3 cm | sehr schnell | kurz, borstig |
| Ceratopteris pteridoides | Schwimmender Hornfarn | 15–30 cm | sehr schnell | dicht verwurzelt |
| Phyllanthus fluitans | Roter Wurzeldecker | 1–2 cm | mittel | kurz, oft rötlich |
| Lemna minor | Kleine Wasserlinse | unter 0,5 cm | extrem | sehr kurz |
| Riccia fluitans | Teichlebermoos | variabel | schnell | keine echten |
Mein Favorit für Einsteiger ist der Amazonas-Froschbiss: handlich, leicht zu reduzieren und mit langen Wurzelbärten, die Garnelen lieben. Salvinia ist hübsch und schnell, Muschelblume wird groß und braucht viel Licht. Der Rote Wurzeldecker färbt sich bei starkem Licht hübsch rötlich. Und dann ist da Lemna minor — dazu unten eine Warnung.
Was Schwimmpflanzen für dich erledigen
Nitrat- und Phosphatfresser. Dank ihrer Kohlenstoff-Freiheit ziehen sie Makronährstoffe so schnell aus dem Wasser, wie es submerse Pflanzen nie schaffen. Genau das macht sie zur besten Vorbeugung gegen Algenblüten — sie nehmen den Algen schlicht das Futter weg.
Schatten gegen Algen. Ein geschlossener Oberflächenteppich senkt das Licht in den unteren Schichten und bremst Grünalgen. Scheue Fische — viele Salmler, Zwergbuntbarsche — fühlen sich im Halbschatten erst wohl.
Kinderstube und Ankerplatz. Die langen Wurzelbärte von Froschbiss und Muschelblume dienen Kampffischen als Halt für ihr Schaumnest und Zwerggarnelen als Weidegrund voller Mikroorganismen.
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Empfehlung: Amano-Garnelen* — unter dem Schwimmpflanzen-Teppich sind sie mein Putztrupp Nummer eins, weil sie den Aufwuchs an den Wurzeln kurz halten. Ich setze sie in jedes Pflanzenbecken. Haken: Sie vermehren sich im Süßwasser nicht, alle paar Jahre kaufst du nach. Aktuellen Preis bei Amazon prüfen →
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Die Schattenseite: zu viel des Guten
So nützlich Schwimmpflanzen sind — unkontrolliert kippen sie das Becken. Ein lückenloser Teppich blockiert das Licht fast vollständig, sodass lichtbedürftige Bodendecker wie Hemianthus ‘Cuba’ im Dunkeln eingehen.
Dazu verschlechtert eine dichte Oberflächendecke den Gasaustausch. Weniger Sauerstoff gelangt ins Wasser — in dicht besetzten Becken kann das nachts zu Sauerstoffmangel führen. Und der ständige Blatt- und Wurzelabwurf der schnellen Arten verstopft dir den Ansaugkorb des Außenfilters.
Die Konsequenz: Du musst regelmäßig abschöpfen. Bei nährstoffreichen Becken heißt das oft wöchentlich. Froschbiss und Salvinia lassen sich dank ihrer Größe bequem mit der Hand reduzieren.
Wasserlinsen — die Plage mit Ansage
Lemna minor, die Kleine Wasserlinse, ist ein Sonderfall. Sie vermehrt sich so explosiv, dass sie in den meisten Becken zur unkontrollierbaren Plage wird. Und sie wieder loszuwerden, ist berüchtigt schwer: Ein einziges millimetergroßes Blatt, das in einer Moosspalte übersehen wird, baut binnen Wochen den kompletten Teppich neu auf.
Die ehrliche Ansage: Wer Wasserlinsen einschleppt (oft als blinder Passagier auf gekauften Pflanzen), kämpft monatelang. Hilfreich ist systematisches, wochenlanges Abfischen kombiniert mit erhöhter Oberflächenströmung — Wasserlinsen hassen Bewegung und gedeihen nur im stehenden Milieu. Kontrolliere neue Pflanzen vor dem Einsetzen genau.
Die häufigsten Fehler mit Schwimmpflanzen
- Wuchern lassen, bis es dunkel wird. Ein Vollteppich killt deine Bodenpflanzen. Regelmäßig auf 50–70 % Abdeckung reduzieren.
- Wasserlinsen unterschätzt. Einmal drin, schwer wieder raus. Neue Pflanzen vor dem Einsetzen prüfen.
- Filter-Ansaug nicht geschützt. Abgeworfene Wurzeln verstopfen den Korb. Ansauggitter im Auge behalten.
- Schwimmpflanzen unter geschlossener Abdeckung mit Kondenswasser. Tropfen auf den Blättern lassen viele Arten faulen — Abstand zur Scheibe lassen.
- Starke Oberflächenströmung. Die meisten Schwimmpflanzen mögen ruhiges Wasser, sonst werden sie an eine Ecke gedrückt und kümmern.
FAQ
Welche Schwimmpflanze ist die beste für Anfänger?
Amazonas-Froschbiss (Limnobium laevigatum). Er wächst zügig, lässt sich leicht reduzieren und hat schöne lange Wurzeln. Salvinia ist ebenfalls unkompliziert.
Helfen Schwimmpflanzen wirklich gegen Algen?
Ja. Sie entziehen dem Wasser sehr schnell Nitrat und Phosphat und beschatten die unteren Schichten — beides bremst Algen effektiv. Sie sind eine der besten natürlichen Vorbeugungen.
Wie werde ich Wasserlinsen wieder los?
Mit Geduld: wochenlang konsequent abfischen und die Oberflächenströmung erhöhen, da Wasserlinsen stehendes Wasser brauchen. Schon ein übersehenes Blatt startet den Teppich neu — deshalb gründlich arbeiten.
Nehmen Schwimmpflanzen den anderen Pflanzen das Licht weg?
Wenn sie zu dicht werden, ja. Ein geschlossener Teppich lässt lichthungrige Bodendecker eingehen. Halte die Abdeckung bei etwa 50–70 % und schöpfe regelmäßig ab.
Brauchen Schwimmpflanzen Dünger oder CO2?
CO2 nicht — sie nutzen Luft-CO2. Bei kräftigem Pflanzenwuchs kann etwas Eisen-/Volldünger nötig sein, sonst zeigen sie Mangel (gelbe Blätter).
Aquariumpflanzen-Guide → · Schnellwachsende gegen Algen → · Pflanzen werden gelb? → · Kampffisch halten →



